Zur Erinnerung: Horners ehemalige Assistentin hatte dem Briten grenzüberschreitendes Verhalten vorgeworfen. Anfangs war Horner in zwei internen Untersuchungen noch freigesprochen worden, deckte auch der thailändische Red-Bull-Mehrheitseigentümer Chalerm Yoovidhya den 51-Jährigen. Doch aufgrund der sportlichen Talfahrt der letzten Woche und der Sorge im Bullen-Stall, Star Max Verstappen, der nicht gerade ein Horner-Vertrauter ist, zu verlieren, zogen die Red-Bull-Bosse Anfang Juli die Reißleine, trennten sich nach 20 Jahren vom Briten.
Seine ehemalige persönliche Assistentin erhielt derweil 3,4 Millionen Euro zugesprochen, ein für Jänner 2026 anberaumtes Verfahren vor einem Arbeitsgericht ist damit hinfällig. Die Frau ist mittlerweile beim künftigen Formel-1-Rennstall Cadillac aktiv.
Nun meldete sich Susie Wolff, die Frau des Mercedes-Teamchef Toto Wolff – Horners Intimfeind – und selbst Leiterin der Frauen-Rennserie F1 Academy erstmals zum "Fall Horner" zu Wort. "Christian hat die F1 Academy unterstützt, dafür werde ich ihm immer dankbar sein", meinte Wolff gegenüber der "Sunday Times" noch, schob dann aber an: "Die ganzen Vorwürfe und das dadurch entstandene Drama waren eine echte Schande für unseren Sport."
Die schweren Vorwürfe gegen Horner hätten auch die Entwicklung der Frauen-Rennserie im Rahmenprogramm der Formel 1 überschattet, meinte Wolff. "Wir hatten so viel positive Dynamik, was die Offenheit des Sports für Frauen betrifft. Dann kam dieses Dilemma und die Anschuldigungen. Plötzlich wollten mich alle nur noch zu diesem Thema interviewen", erzählte die gebürtige Schottin, die selbst Formel-1-Testfahrten bestritt.
Trotz alledem versuchte Wolff auch die Errungenschaften Horners zu würdigen. Der 51-Jährige hatte den Rennstall schließlich 20 Jahre lang, seit dem Formel-1-Einstieg des Energydrink-Imperiums, geführt und acht Fahrer- sowie sechs Konstrukteurs-WM-Titel geholt. "Er hat seine Rolle immer sehr gut ausgeführt. Aber ich denke, der Vorfall war nicht das beste für das Image des Sports und hat gezeigt, dass wir noch viel zu tun haben", meinte Wolff.
Horner selbst versucht derweil beinahe verbissen, in die Formel 1 zurückzukommen. Haas-Teamchef Ayao Komatsu machte öffentlich, dass der Brite versucht hatte, beim US-Rennstall einzusteigen. Schon länger ist bekannt, dass Horner unbedingt Anteile an einem Rennstall erwerben wolle – mit einer Abfindung von kolportierten 90 Millionen Euro, die er von Red Bull bei der Auflösung des bis 2030 laufenden Vertrages erhielt, durchaus machbar. Aston Martin, Alpine und sogar Krisen-Rennstall Ferrari gelten als mögliche Kandidaten.