Deutsch sprechen, Frauen als Autorität akzeptieren und die Gesetze über religiöse Vorschriften stellen: Oberösterreich hat klare Vorstellungen davon, wie das Zusammenleben funktionieren soll. Diese sind in einer eigenen "Hausordnung" mit 13 Regeln festgehalten. Jetzt kommt das Regelwerk auch verstärkt in die Schulen. Jugendliche sollen in eigenen Workshops lernen, was Respekt, Verantwortung und ein gutes Miteinander bedeuten.
Die Hausordnung richtet sich nicht nur an Zuwanderer, sondern an alle Menschen im Bundesland. Egal, ob jemand hier geboren wurde oder erst später nach Österreich gekommen ist.
Zu den zentralen Grundsätzen gehören Deutsch als gemeinsame Sprache, gegenseitiger Respekt, die Anerkennung weiblicher Autorität und der Vorrang staatlicher Gesetze gegenüber religiösen Regeln. Auch Leistungsbereitschaft, Arbeit sowie die Pflege von Brauchtum und Traditionen spielen eine Rolle.
Keinen Platz sollen laut Land Integrationsverweigerung, demokratiefeindliche Einstellungen, Hass und Gewalt haben.
Die Regeln wurden bereits in verschiedene Landesgesetze und Förderrichtlinien aufgenommen, darunter jene für Sozialhilfe, Grundversorgung und Kinderbetreuung.
Jugend-Landesrat Christian Dörfel (ÖVP) will die Grundsätze nun stärker im Schulalltag verankern: "Ein gutes Miteinander braucht gemeinsame Regeln, an die sich alle halten. Mit der OÖ Hausordnung haben wir genau diese Regeln verschriftlicht", erklärt Dörfel.
Für den Politiker ist klar, dass die Vermittlung schon bei jungen Menschen beginnen muss: "Diese Werte müssen wir pflegen und an die nächste Generation weitergeben."
Bereits seit Schulbeginn stehen Lernmaterialien zur Hausordnung zur Verfügung, die von der Bildungsdirektion ausgearbeitet wurden und im regulären Unterricht eingesetzt werden sollen.
Zusätzlich bietet das JugendService Oberösterreich ab sofort zwei Workshops an. Sie richten sich an unterschiedliche Altersgruppen.
Für Schüler der 5. bis 8. Schulstufe gibt es den Workshop "Du wirkst. Immer.". Dabei geht es um Vorurteile, Unterschiede zwischen Menschen und gemeinsame Regeln. Mit Gruppenübungen sollen die Jugendlichen lernen, wie schnell falsche Vorstellungen über andere entstehen können.
Ältere Schüler der 9. bis 12. Schulstufe besuchen den Workshop "Ehrenkodex fürs Leben". Hier stehen der Umgang mit Konflikten, gegenseitiger Respekt, Sprache und unterschiedliche Meinungen im Mittelpunkt.
Die Jugendlichen sollen dabei auch lernen, wie sie Streitigkeiten lösen können, ohne dass Gespräche eskalieren.
Für Schulen gibt es zum Start eine kostenlose Aktion: Jeweils die ersten 50 gebuchten Workshops pro Format sind gratis. Die Angebote dauern zwei Unterrichtseinheiten und können das ganze Jahr über gebucht werden.
Danach kostet ein Workshop regulär neun Euro, mit der 4youCard sechs Euro. Informationen und Anmeldung gibt es beim JugendService Oberösterreich. Ab Anfang 2027 sollen weitere Angebote zur Förderung sozialer Fähigkeiten folgen.