"Alpine Divorce"

Frauen am Berg einfach zurückgelassen – kein Einzelfall

Nach dem tödlichen Großglockner-Drama berichten immer mehr Frauen, wie sie von ihren Partnern bei Bergtouren allein zurückgelassen wurden.
Newsdesk Heute
06.03.2026, 19:16
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Der tragische Fall am Großglockner schlägt weiter Wellen. Im Jänner 2025 erfror eine 33-Jährige auf Österreichs höchstem Berg. Ihr Partner ließ sie entkräftet knapp unterhalb des Gipfels zurück. Ein Gericht sprach ihn kürzlich wegen grob fahrlässiger Tötung schuldig. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Doch der Fall scheint kein Einzelfall zu sein. Auf TikTok und anderen sozialen Netzwerken berichten derzeit zahlreiche Nutzer von ähnlichen Erlebnissen. Unter dem Schlagwort "Alpine Divorce" schildern vor allem Frauen, wie sie bei Wanderungen, Bike-Touren oder beim Snowboarden von ihren Partnern allein gelassen wurden.

"Mein Mann ließ mich auf einem Berg zurück, nachdem ich mir den Knöchel verstaucht hatte. Er ist nicht länger mein Mann", wird etwa eine TikTok-Userin durch die "Kronen Zeitung" zitiert.

Eine andere Frau berichtet von einem verstörenden Erlebnis während ihrer Flitterwochen im Yosemite-Nationalpark (USA): Ihr damaliger Mann habe ihr beim Wandern gesagt, er könne sie hier problemlos umbringen, niemand würde sie schreien hören. "Er hat mir so große Angst gemacht, dass ich noch jahrelang daran denken musste." Die Ehe zerbrach schließlich.

Kurzgeschichte geht viral

Auch andere Schilderungen sorgen für Aufsehen. Eine Nutzerin erzählt, ihre Schwiegermutter sei an einem Strand auf Hawaii ohne Essen, Wasser und Schatten zurückgelassen worden. Der Schwiegervater sei einfach verschwunden – samt Autoschlüsseln für den Mietwagen. Das Paar ließ sich später scheiden.

Eine weitere Frau berichtet, ihr damaliger Mann habe sie bei einer Bergtour zurückgelassen. Dass sie von einem Rettungsteam schließlich gefunden wurde, habe ihren Mann sichtlich "irritiert". Er sei "fast böse" darüber gewesen.

Der Trend-Ausdruck "Alpine Divorce" (dt. "Alpine Scheidung") ist allerdings nicht neu. Er stammt aus der gleichnamigen Kurzgeschichte des schottisch-kanadischen Autors Robert Barr aus dem Jahr 1893. Darin wandert ein unglücklich verheiratetes Paar durch die Schweizer Alpen. Während der Mann darüber nachdenkt, seine Frau von einer Klippe zu stoßen, springt sie aus Hass für ihn schließlich selbst in die Tiefe – und hängt ihm damit ihren Tod als Mord an.

"Das war unsere letzte Bergtour"

Zwar werden die meisten Betroffenen nicht aus Mordgelüsten zurückgelassen, sondern weil sie schlicht ihrem Begleiter "zu langsam" oder "zu nervig" waren. Auch der verurteilte Großglockner-Alpinist soll schon früher eine Frau mitten in der Nacht allein am Berg zurückgelassen haben. Seine Ex-Freundin schilderte die dramatische Situation während des Prozesses:

"Ich war auch zu langsam. Die Stimmung war schlecht. Und dann war er auf einmal weg. Die Stirnlampe war ausgegangen, ich war alleine, habe geweint und geschrien. Er hat mich einfach alleine zurückgelassen, ganz alleine. Das war unsere letzte Bergtour."

Kritik am Begriff

Viele Nutzer kritisieren den Begriff heute jedoch. Denn es gehe nicht um einen harmlosen Trend oder eine bizarre Trennungsgeschichte, sondern um gefährliches Verhalten. Der Fall am Großglockner zeigt: Wer jemanden in den Bergen hilflos zurücklässt, kann damit dessen Leben gefährden – und sich strafbar machen.

Gleichzeitig wird im Netz auch über richtiges Verhalten in den Bergen diskutiert. Bergsportler raten dazu, das Tempo an den schwächsten Teilnehmer anzupassen, regelmäßig Pausen zu machen und rechtzeitig umzudrehen. Auch ausreichend Verpflegung und das Bleiben auf markierten Wegen gelten als wichtige Grundregeln.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 06.03.2026, 19:17, 06.03.2026, 19:16
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