Teure letzte Ruhe

Grabgebühren verdreifacht! Friedhofspreise explodieren

Die Friedhofsgebühren sind in den letzten zehn Jahren stark gestiegen. In einigen Gemeinden haben sich die Kosten sogar verdreifacht.
Newsdesk Heute
31.10.2025, 10:45
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Sogar am Friedhof schlägt die Teuerung zu: Die Friedhofsgebühren sind laut Statistik Austria in den letzten zehn Jahren um 44 Prozent gestiegen – deutlich mehr als die allgemeinen Verbraucherpreise mit 37 Prozent. In manchen Gemeinden haben sich die Kosten für Gräber und Beisetzungen sogar verdoppelt oder sogar verdreifacht.

Die Friedhofsverwaltungen verweisen auf steigende Kosten für Energie, Personal und Instandhaltung, dazu kommen gesetzliche Vorgaben zur Kostendeckung. Aber die Unterschiede zwischen den Städten und Gemeinden sind riesig – einen echten Vergleich gibt es kaum.

Jede Gemeinde legt ihre Tarife selbst fest, und zwar mit einer eigenen "Friedhofsgebührenordnung" im Gemeinderat. Bei kirchlichen oder privaten Friedhöfen legt der jeweilige Betreiber die Preise fest, immer im Rahmen der Landesgesetze. So kommt es, dass die Beträge je nach Ort und Betreiber stark schwanken, berichten die "Salzburger Nachrichten". Auch bei den Grabarten, ihren Laufzeiten und Definitionen gibt es große Unterschiede. In manchen Gemeinden gelten die Gebühren für zehn Jahre, in anderen für 20 oder sogar 50 Jahre.

Familiengruft um 2.000 Euro teurer

Ein besonders drastisches Beispiel kommt aus Großweikersdorf in Niederösterreich: Dort ist die Benützungsgebühr für eine Familiengruft von 960 Euro (2015, für zehn Jahre) auf stolze 3.170 Euro im Jahr 2024 gestiegen. Das ist ein Plus von 230 Prozent – pro Jahr macht das eine Steigerung von 12,7 Prozent. Die Inflation lag im gleichen Zeitraum im Schnitt bei 3,2 Prozent jährlich.

Die betroffenen Familien standen vor der Wahl: Entweder die neue, hohe Gebühr zahlen oder die Gruft auflassen. Aber auch das hätte ordentlich ins Geld gehen können. Laut Gemeinde hätte die Räumung und Neuverbringung der sterblichen Überreste etwa 6.200 Euro gekostet. "Wir fühlten uns gefangen", sagen die Angehörigen. Am Ende haben sie zähneknirschend die Gebühr bezahlt.

Höhere Gebühren für Auswärtige

Die Gemeinde argumentierte, dass die Betroffenen nicht in Großweikersdorf gemeldet sind. Man wolle nicht, dass die Einheimischen für Auswärtige zahlen. So eine Begründung findet man auch in anderen Gemeinden: In Innsbruck gibt es einen "Nichtgemeindebürgerzuschlag" von 50 Prozent, der auf die Grab- und Friedhofsgebühren draufgeschlagen wird.

Kritiker meinen, das sei nicht mehr zeitgemäß. Heute sind Familien viel mobiler, viele Nachkommen wohnen längst nicht mehr in der alten Heimatgemeinde. Trotzdem halten sie an den Familiengräbern fest – und werden für ihre Verbundenheit mit satten Zuschlägen bestraft.

Große Unterschiede zwischen Bundesländern

Wie groß die Unterschiede wirklich sind, zeigt ein Blick auf die Landeshauptstädte: In Wien kostet ein Familiengrab je nach Lage zwischen 34,50 und 99 Euro pro Jahr. In Innsbruck zahlst du für ein einfaches Reihengrab 632 Euro für zehn Jahre, in Salzburg kostet eine Familiengruft bis zu 4.245 Euro für zehn Jahre. Dazu kommen oft noch Verwaltungs- und Benützungsgebühren, die auch stark schwanken.

Die Preisgestaltung ist unübersichtlich und Vergleiche sind schwierig, weil die Tarife oft für verschiedene Zeiträume gelten (jährlich oder als 10/25-Jahre-Pauschale), die Leistungen unterschiedlich sind (nur Grab oder auch Benützungs- und Verwaltungsgebühren) und auch die Lage oder die Art des Grabes den Preis beeinflussen.

"Kaum eine Branche ist so diskret wie die Bestattungswirtschaft", heißt es in Verbraucheranalysen – und das trifft auch auf die Friedhöfe zu. Viele Gemeinden veröffentlichen ihre Gebühren nur im Amtsblatt, und die Angehörigen erfahren oft erst mit der Rechnung, was sie zahlen müssen. Während die Verwaltungen auf steigende Kosten verweisen, kritisieren viele die fehlende soziale Staffelung und die plötzlichen Preissprünge.

Eines ist klar: Die Friedhofsgebühren sind in ganz Österreich stärker gestiegen als die allgemeine Inflation. So denken rund um Allerheiligen und Allerseelen nicht nur viele an ihre Verstorbenen, sondern bekommen auch zu spüren, dass selbst das Totengedenken heute spürbar teurer geworden ist.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 31.10.2025, 11:21, 31.10.2025, 10:45
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