Mehr als sechs Jahrzehnte lang verband eine Fluglinie die steirische Landeshauptstadt mit Wien. Jetzt ist endgültig Schluss: Am Freitag um 16.15 Uhr hebt mit der Flugnummer OS118 zum letzten Mal eine Maschine der Austrian Airlines (AUA) von Graz in Richtung Bundeshauptstadt ab. Eigentlich war das Ende der Verbindung laut ORF erst für 2030 vorgesehen.
Die Lufthansa-Gruppe, zu der auch die AUA gehört, zieht damit vorzeitig einen Schlussstrich unter die seit Jahren hochdefizitäre Kurzstrecke. In ihren besten Zeiten wurde die Verbindung viermal täglich angeboten, rund 130.000 Passagiere nutzten sie pro Jahr. Zuletzt gingen die Buchungen allerdings immer weiter zurück.
Für den Flughafen Graz ist die Einstellung ein schmerzhafter Einschnitt. Dennoch zeigt sich die Flughafenführung zuversichtlich. Immerhin nutzten rund 98 Prozent der bisherigen Passagiere die Verbindung nach Wien lediglich zum Umsteigen auf internationale Flüge, heißt es im ORF Steiermark.
Künftig sollen diese Reisenden verstärkt über München, Frankfurt oder Zürich fliegen. Dort wurden bereits zusätzliche Kapazitäten geschaffen. Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss erhöht etwa ihre Verbindungen zwischen Graz und Zürich von fünf auf sieben Flüge pro Woche. Auf den Deutschlandstrecken sollen zudem größere Maschinen eingesetzt werden.
Weniger gelassen reagieren Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung Steiermark. Sie befürchten Nachteile für den Wirtschaftsstandort, hoffen aber auf einen entsprechenden Ausbau der verbleibenden Flugverbindungen.
Während die Flugverbindung zwischen Graz und Wien Geschichte ist, wird die Bahn auf der Südstrecke immer attraktiver. Mit der Eröffnung der neuen Koralmbahn im Dezember 2025 wurde das Zugangebot deutlich ausgebaut.
Herzstück der neuen Strecke zwischen Graz und Klagenfurt ist der rund 33 Kilometer lange Koralmtunnel. Er ermöglicht eine Fahrzeit von nur noch rund 41 Minuten zwischen den beiden Landeshauptstädten.
Auch zwischen Wien und Graz profitieren die Fahrgäste vom neuen Fahrplan: Statt des bisherigen Stundentakts gibt es nun grundsätzlich zwei Fernverkehrszüge pro Stunde. Neben den regulären Railjets verkehren zusätzliche, schnellere Railjet-Express-Züge. Allerdings bestehen am Vormittag und zu Mittag noch einzelne Lücken im Halbstundentakt.
Der nächste große Sprung steht bereits bevor. Mit der geplanten Inbetriebnahme des Semmering-Basistunnels Ende 2029 soll sich die Zugfahrt zwischen Wien und Graz auf nur noch eine Stunde und 50 Minuten verkürzen. Der 27,3 Kilometer lange Tunnel zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag bringt damit eine Zeitersparnis von rund 50 Minuten gegenüber der früheren Fahrzeit.
Für Reisende bedeutet das: Die beiden Städte rücken auf der Schiene noch enger zusammen. Rechnet man die Anfahrt zum Flughafen, Sicherheitskontrollen und Wartezeiten dazu, wird der Zug auf dieser Strecke für viele Reisende zur besonders praktischen Alternative.
Für den steirischen Reisebürosprecher Maximilian Schlögl ist das Ende der Flugverbindung vor allem der Abschied von einer liebgewonnenen Tradition. Gravierende Nachteile für Reisende erwartet er nicht, sofern ausreichend Umsteigemöglichkeiten über andere Flughäfen bestehen bleiben.
Damit endet am Freitag ein Stück österreichische Luftfahrtgeschichte. Während der letzte AUA-Flieger von Graz nach Wien abhebt, ist die Zukunft der Verbindung zwischen den beiden Städten zunehmend auf Schienen unterwegs.