Am Sonntag schnell noch Milch, Brot oder etwas fürs Mittagessen holen? In Ardagger Stift im Bezirk Amstetten (NÖ) ist das jetzt möglich. Dort hat am Donnerstag Österreichs größter Adeg-Hybridmarkt eröffnet. Hybrid bedeutet: Im neuen Markt können Kunden auch dann einkaufen, wenn kein einziger Mitarbeiter mehr im Geschäft ist.
Auf mehr als 700 Quadratmetern Verkaufsfläche verbindet Kaufmann Manfred Seba einen klassischen Supermarkt mit einem Selbstbedienungssystem. Tagsüber stehen 16 Mitarbeiter zur Verfügung, nach Ladenschluss müssen die Kunden selbst übernehmen.
Das Prinzip ist einfach: Wer außerhalb der regulären Öffnungszeiten shoppen möchte, verschafft sich mit seiner Bankomatkarte Zutritt. Die ausgewählten Waren werden anschließend an einer Selbstbedienungskasse bezahlt.
Von Montag bis Freitag ist das Personal zwischen 6.45 und 18 Uhr im Einsatz, samstags von 7.30 bis 13 Uhr. Danach kann der Markt ohne Mitarbeiter genutzt werden.
Und – sogar sonntags ist Einkaufen möglich: Von 8 bis 13 Uhr steht der Selbstbedienungsbetrieb offen. Das erlaubt eine Sonderregelung, die für die Tourismusgemeinde Ardagger gilt.
Adeg möchte das Modell auch in anderen Gemeinden ausbauen. Allerdings gibt es eine rechtliche Hürde: Anders als reine Automatenshops unterliegen Hybridmärkte selbst dann den gesetzlichen Öffnungszeiten, wenn überhaupt kein Personal anwesend ist.
Die Bundesregierung hat im Regierungsprogramm angekündigt, unbemannte Hybridmärkte rechtlich mit Automatenshops gleichzustellen. Adeg drängt auf eine rasche Umsetzung.
Dass längere Einkaufszeiten auf Zustimmung stoßen, zeigt laut Adeg eine Marketagent-Umfrage unter 1.000 Personen. Demnach können sich 81 Prozent vorstellen, in Orten ohne Supermarkt einen Selbstbedienungsmarkt zu nutzen.
73 Prozent befürworten bei entsprechendem Bedarf Öffnungen nach 20 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen, sofern kein Verkaufspersonal im Einsatz ist. 65 Prozent würden diese Einkaufsmöglichkeit bei Bedarf selbst nutzen.
"Damit solche Angebote österreichweit möglich sind, braucht es zeitgemäße gesetzliche Rahmenbedingungen", erklärt Florian Klein, Geschäftsführer des Rewe-Großhandels.
Dabei gehe es ausdrücklich nicht um eine allgemeine Sonntagsöffnung mit Personal, sondern ausschließlich um zusätzliche Einkaufszeiten ohne Mitarbeiter.