Als Niederösterreich 1986 per Volksbefragung seine Landeshauptstadt bestimmte, war der Spott groß. St. Pölten setzte sich durch – und wurde, wie der "Kurier" rückblickend festhält, lange unterschätzt. Vier Jahrzehnte später ist die Stadt aus dem Kreis der Landeshauptstädte nicht mehr wegzudenken.
Der Zuwachs an Popularität ist greifbar. Im Sommer 2024 überschritt St. Pölten erstmals die Marke von 60.000 Einwohnern. Auch der Tourismus zieht an: Erstmals wurden im Jahr 2024 mehr als 230.000 Nächtigungen gezählt. Besonders im August schnellen die Zahlen nach oben – dann, wenn das Frequency-Festival zehntausende Musikfans an die Traisen bringt und der Reihe nach Hotels ausbucht.
Tourismusdirektor Stefan Bauer verweist im "Kurier" darauf, dass St. Pölten über rund 2.000 Hotelbetten verfüge. Bei Großveranstaltungen komme man jedoch immer wieder an die Kapazitätsgrenzen. Seitens der Stadt werde zudem betont, dass viele Häuser unter der Woche besser ausgelastet seien als am Wochenende – ein Zeichen für starken Geschäfts- und Kongresstourismus.
Auch kulinarisch habe sich das Image gedreht. Immer mehr traditionsreiche Wirtshäuser behaupten sich in der Landeshauptstadt, die Klassik und Moderne verbinden.
Wirtschaftlich profitiert die Stadt unter anderem von der Fachhochschule, die von einst 60 Studierenden auf mittlerweile mehr als 5.000 angewachsen ist. Rückschläge gibt es durch das das gescheiterte Leiner-Areal. Dennoch verweist das Rathaus auf eine niedrigere Leerstandsquote als im Österreich-Schnitt.
Besonders attraktiv bleibt St. Pölten beim Wohnen: vergleichsweise günstige Preise, viel Bauland und reger Neubau sorgen für starken Zuzug, vor allem bei 20- bis 44-Jährigen. Eine Stadt, die einst belächelt wurde – und sich in 40 Jahren neu erfunden hat, wie der "Kurier" bilanziert.