Hummeln stehen der Biene als Bestäuber um fast nichts nach, denn sie sind mindestens genauso fleißig. Durch die Vibrationen der "Dicken" bei ihrer Arbeit sorgt sie obendrein noch für eine besonders gute Obst- und Gemüseernte, die wir Menschen natürlich schon längst nutzen. Leider - denn die Hummel wurde gar nicht gefragt.
Vor allem Nachtschattengewächse wie Tomaten, Melanzani und Kartoffeln können nicht einfach so angebaut werden, denn nur die Bestäubung durch Wind, Bienen, Vögel oder eben Hummeln sorgen für die Vermehrung. Im Gewächshaus hat man hier also das Problem, dass die Pflanze für die Insekten kaum oder gar nicht zugänglich ist und der Mensch hier sogar mit elektrischen Zahnbürsten die Tomatenstaude stimuliert hat, um das Hummel-Brumm-Brumm nachzuahmen. Manpower ist aber zuweilen ziemlich teuer, weshalb eigene Glashaus-Hummel-Völker gezüchtet wurden.
Hummeln fliegen in Gewächshäusern nicht planlos herum, wie die Biene, die gerne die Orientierung verliert, weshalb sie als perfekte Glashauspflanzen-Bestäuber engagiert wurden. Durch ihre zusätzliche Superkraft der Vibration schafft es auch nur sie, die festsitzenden Pollen der Tomatenblüte hervorzuschütteln. Weder die Biene noch der Schmetterling schaffen dies.
Es gibt durchaus positive Seiten der Hummel-Bestäubung für Tomaten, denn durch die Tiere werden zunächst einmal kaum Pestizide eingesetzt, da sie schließlich auch den Insekten schaden würden. Auch das Arbeitspensum ist keinesfalls zu verachten, denn immerhin schaffen es 40 Hummeln, etwa eine 1000 Quadratmeter Fläche von Tomatenpflanzen für acht bis zwölf Wochen zu bestäuben.
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Natur- und Tierschützer kritisieren vor allem zwei Aspekte der Hummel-Bestäubung. Zum einen:
Es handelt sich meist um die "Dunkle Erdhummel", die mittlerweile auf Hochleistung gezüchtet wurde. Sie darf unter keinen Umständen die Glashäuser verlassen, da sie wilden Hummeln durch fälschliche Verpaarung bald den Rang ablaufen und das Ökosystem über kurz oder lang verändern würde.
Zum Zweiten bedeutet dies aber, dass die Kolonien nach der Saison in vielen Ländern ziemlich grausam getötet werden, indem das Nest entweder eingefroren oder sogar verbrannt wird, um eine Ausbreitung zu verhindern. Auch die Zucht der Tiere ist ziemlich traurig, denn sie werden zu tausenden einfach im Plexiglasbehältnissen mit Zuckerwasser herangezogen und dann - auch einfach über das Internet - bestellt und in die Welt gesandt.
Natur- und Tierschützer wissen um die Problematik, doch Verkäufer, Züchter und Landwirte halten sich hier ziemlich bedeckt. Fakt ist aber, dass fast alle kommerziellen Tomatenzüchter auf Hummelvölker zur Bestäubung zurückgreifen - auch in Österreich - da die Effizienz eben nicht von der Hand zu weisen ist. Trotzdem traurig, oder?