G7-Gipfel in Evian

Für Trump ist Iran "erledigt" – nun ist Putin im Fokus

Beim G7-Gipfel rückt jetzt die Ukraine ins Zentrum: Donald Trump zeigt neue Gesprächsbereitschaft, Europa drängt auf Verhandlungen mit Russland.
Newsdesk Heute
16.06.2026, 18:26
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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist quer durch den riesigen Garten vom Hôtel Royal gelaufen, nur um den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj direkt beim Auto abzuholen. Damit wollte er ein Zeichen setzen: Die Ukraine soll beim G7-Gipfel in Evian ganz im Mittelpunkt stehen. Die Gelegenheit war günstig wie schon lange nicht mehr: US-Präsident Donald Trump zeigte sich überraschend entschlossen, sich wieder mehr um die Ukraine zu kümmern. Zuvor war er monatelang vom Iran-Krieg, den er selbst mit ausgelöst hatte, abgelenkt gewesen.

"Jetzt, wo das eine beendet ist, können wir uns auf das andere konzentrieren und sehen, dass wir das erledigt bekommen", sagte Trump, der in Evian bestens gelaunt ankam – noch ganz begeistert von der Kampfschau am Abend davor, die er sich selbst zu seinem 80. Geburtstag geschenkt hatte und immer wieder erwähnte. Trump steht auf Kampfschauen, weil er auf Gewinner steht – daher hatte Selenskyj diesmal bessere Chancen, die Aufmerksamkeit des US-Präsidenten zu bekommen.

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Die Ukraine hat sich zuletzt gut gegen Russland geschlagen, Gebiete zurückgewonnen, immer bessere Drohnen gebaut und Ziele tief in Russland getroffen. Selenskyj weiß genau, wie wichtig Bilder sind: Bei der Ukraine-Sitzung der G7-Staaten zeigte er Fotos von der beschädigten Kathedrale des Kiewer Höhlenklosters, die bei Angriffen zerstört wurde. Das dürfte Trump berührt haben, der sich gerne als Beschützer bedrohter Christen sieht.

Es geht auch ums Geld

Wie so oft bei Trump geht es aber auch ums Geld: Die Zusage der EU, der Ukraine 90 Milliarden Euro zu geben, dürfte ihm die Sorge genommen haben, dass am Ende die USA alles zahlen müssen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte kurz vor dem Gipfel gemeint, dass sich mit Blick auf die Ukraine ein "Fenster für die Diplomatie" öffnet. Auch Macron sprach bei seinem Spaziergang mit Selenskyj durch den Hotelgarten von einem "offenen Fenster". Er schaffte es sogar, Selenskyj und Trump zu einem Gespräch unter vier Augen zusammenzubringen, das ursprünglich gar nicht geplant war.

Selenskyj postete später ein Foto von sich und Trump mit dem Kommentar: "Es ist immer gut, Positionen miteinander abzustimmen". Das war ganz anders als im Februar im Oval Office, wo Trump Selenskyj offensichtlich als Verlierer behandelt und abgewatscht hatte. Kurz darauf forderte Trump so deutlich wie schon lange nicht mehr, dass Russland Verhandlungen aufnehmen soll. Außerdem zeigte er sich erstmals offen, die Ausnahmen bei den Ölsanktionen gegen Russland wieder zu streichen. "Alle G7-Staaten sind sich einig, den Druck auf Russland zu erhöhen", sagte ein deutscher Regierungsvertreter und betonte dabei extra das Wort "alle".

Trumps neues Interesse an der Ukraine wackelig

Für die Europäer ist das eine gute Nachricht – aber sie haben auch die Sorge, dass Trump doch wieder einen Alleingang in der Ukraine wagen könnte. Das G7-Format erweist sich als praktisch, um Trump wieder ins Boot zu holen und gleichzeitig eine führende Rolle der Europäer bei möglichen Verhandlungen mit Russland zu sichern. Dass der russische Präsident Wladimir Putin überraschend anreist – wie Selenskyj es vorgeschlagen hat – gilt als ausgeschlossen. Zum einen passt das nicht zu Putins Art, zum anderen gibt es gegen ihn einen Haftbefehl vom Internationalen Strafgerichtshof wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen.

Merz könnte also mit dem offenen Fenster recht haben. Ob es am Ende wirklich zu neuen und wirksamen Verhandlungen mit Russland kommt, hängt aber noch von vielen Unsicherheiten ab. Trump sieht die Konflikte im Iran und in der Ukraine als eng miteinander verbunden und hält den Iran für erledigt. Was genau in dem Abkommen steht, das am Freitag in der Schweiz unterschrieben werden soll, ist noch nicht bekannt. Es ist auch möglich, dass beide Seiten es unterschiedlich deuten und der Konflikt wieder aufflammt. Dann könnte Trumps neues Interesse an der Ukraine schnell wieder vorbei sein.

{title && {title} } red, {title && {title} } 16.06.2026, 18:26
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