Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran zeigt immer deutlichere Folgen auf den Weltmärkten – und zwingt beide Seiten zunehmend zum Handeln.
Der Ölpreis bleibt stabil auf extrem hohem Niveau und liegt weiterhin deutlich über der Marke von 100 Dollar. Seit Beginn des Iran-Krieges entspricht das einem Anstieg von rund 60 Prozent. Am Mittwoch kam es sogar zu einem kurzfristigen Preissprung: Aus Angst vor neuen US-Angriffen kletterte die Nordseesorte Brent auf fast 124 Dollar – so hoch wie noch nie seit Ausbruch des Konflikts. Die angespannte Lage am Ölmarkt könnte nun allerdings auch Bewegung in die festgefahrenen Gespräche zwischen Washington und Teheran bringen.
Vor allem in den USA wächst der Druck auf Präsident Donald Trump. Die Spritpreise liegen im Schnitt bei mehr als vier Dollar pro Gallone, gleichzeitig sind seine Umfragewerte schlecht. Aktuell ist Trump unpopulärer als sein Vorgänger Joe Biden, während die anstehenden Zwischenwahlen im November für die Republikaner zur Belastungsprobe werden könnten.
Doch auch im Iran spitzt sich die Situation zu. Lange wirkte es, als hätte die Führung in Teheran keinen akuten Zeitdruck, eine Lösung zu erreichen. Inzwischen hat sich das jedoch geändert – die wirtschaftlichen und strukturellen Probleme nehmen zu.
Ein entscheidender Faktor ist laut Nahost-Experte Peter Neumann (King’s College London) die US-Seeblockade. Diese könne sich als "Gamechanger" erweisen. "Das war bei all den Fehlern, die Trump gemacht hat, eine ziemlich clevere Entscheidung. Denn dadurch hat er eine Situation geschaffen, in der jetzt die Uhr nicht nur für den Westen tickt, sondern auch für den Iran", erklärt Neumann.
Hintergrund ist die Blockade der Straße von Hormus, die große Teile der iranischen Ölexporte lahmlegt. Dadurch verliert der Staat bis zu 40 Prozent seiner Einnahmen. Gleichzeitig stößt das Land an seine Lagergrenzen – bereits jetzt werden Öltanker als schwimmende Speicher eingesetzt.
Analysefirmen wie Windward oder Kpler gehen davon aus, dass die verbleibenden Kapazitäten schon Mitte Mai erschöpft sein könnten. In der Folge musste die Förderung bereits deutlich gedrosselt werden, Schätzungen zufolge um rund 2,5 Millionen Barrel pro Tag.
Noch schwerer wiegen jedoch die langfristigen Risiken für die Ölproduktion selbst. Sollte die Förderung komplett gestoppt werden, droht eine sogenannte Aquifer-Intrusion: Wasser könnte in die Lagerstätten eindringen und sie dauerhaft unbrauchbar machen.
Besonders gefährdet sind ältere Ölfelder im Südwesten des Landes, deren Druck durch jahrzehntelange Nutzung bereits gesunken ist. Veraltete Technik infolge der Sanktionen verschärft das Problem zusätzlich. Eine nachhaltige Beschädigung dieser Felder hätte massive Folgen für die zukünftige Förderleistung des Iran.
Für Teheran wird ein Abwarten damit zunehmend riskant. Auch deshalb sieht Experte Neumann die Dynamik klar verändert: "Es ticken jetzt auf beiden Seiten die Uhren." Die Blockade habe die Verhandlungen "total verändert" – entscheidend sei nun vor allem eine Frage: "Wie lange kann der Iran das noch durchhalten?"