VPNÖ-Manager im "Heute"-Talk

Gastpatienten-Streit – "Brauchen eine Kostenwahrheit"

Laut einer Umfrage schmilzt der Abstand zwischen VP und FP. Um eine Lösung im Gastpatienten-Streit wird gerungen. Jetzt spricht der VPNÖ-Manager.
Erich Wessely
26.08.2026, 05:15
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VPNÖ-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner im großen "Heute"-Interview (ganzes Video in voller Länge, siehe u.) über Wahlziele, Gastpatienten und das Dürre-Paket.

"Heute": Eineinhalb Jahre vor der nächsten Landtagswahl in Niederösterreich zeigt eine im Auftrag des ORF NÖ vom Institut für Demoskopie und Datenanalyse durchgeführte Umfrage für Aufsehen. Der Abstand zwischen ÖVP und FPÖ schmilzt, demnach würde die ÖVP auf 35 %, die FPÖ auf 30 % und die SPÖ auf 19 % kommen. Was sagen Sie zum Ergebnis?

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Matthias Zauner: "Wir sind klar die Nummer 1, auch im Bundesländervergleich. Zwei Drittel wünschen sich eine Landesregierung unter der Führung der VPNÖ. Und der wesentlichste Wert: 40 % Präferenz für Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, also in der Frage der Direktwahl der Landeshauptfrau."

VIDEO: Das Interview in voller Länge

"Wir spielen immer auf Sieg"

"Heute": Mit den 35 % wären Sie schon etwas enttäuscht?

Zauner: "Als Volkspartei Niederösterreich spielen wir immer auf Sieg, mit einem Minus sind wir nicht zufrieden. Bis zur nächsten Landtagswahl haben wir aber ja Gott sei Dank noch Zeit, die Stimmung wieder so hin zu drehen, dass das Ergebnis besser ist als in dieser Umfrage."

"Heute": Ist eine neuerliche Zusammenarbeit mit der FPÖ vorstellbar oder wird man es wieder einmal mit den Roten probieren? SPNÖ-Manager Wolfgang Zwander könnte sich das durchaus vorstellen.

Zauner: "Wir setzen unser Arbeitsprogramm weiter konsequent um, dann sind die Wählerinnen und Wähler am Wort. Der 'Hand-Abhacken'-Sager von Sven Hergovich ließ beim letzten Mal die Verhandlungen mit der SPÖ scheitern. Aber unsere Türen stehen offen für eine Zusammenarbeit mit allen Parteien, die in der Landesregierung vertreten sind."

Zauner zur SPÖ: "Jetzt ist sie gefordert"

"Heute": Zwischen Ihnen und dem nö. SPÖ-Chef Sven Hergovich gibt es doch immer wieder einen Schlagabtausch. Ist eine Zusammenarbeit vorstellbar oder gehört das einfach zum politischen Geschäft dazu?

Zauner: "Es gibt ja ganz viele Bereiche, wo wir einstimmige Landesregierungsbeschlüsse fassen. Über 90 % der Beschlüsse der Landesregierung sind einstimmig. Das heißt, es gibt eine Zusammenarbeit auch mit der Sozialdemokratie. Bei den ganz entscheidenden Fragen ist die Sozialdemokratie aufgefordert, ihre Regierungsverantwortung wahrzunehmen. Da spreche ich den Gesundheitsplan 2040+ an, den die SPÖ mitbeschlossen hat. Jetzt ist sie gefordert in dem Bereich, in dem sie Verantwortung trägt, nämlich in der Notfallversorgung in Niederösterreich, den Gesundheitsplan 2040+ auf Punkt und Beistrich umzusetzen."

"Heute": Zweiter Aufreger in den letzten Tagen: Das Dürre-Paket für Bauern, es geht um 240 Millionen Euro, wurde im Bund beschlossen. Die FPÖ spricht von einem "massiven Verlustgeschäft für die Bauern". Wer hat recht?

Zauner: "Wir sprechen darüber, dass wir bei den bäuerlichen Betrieben, die seit Generationen für die Lebensmittelsicherheit in diesem Land garantieren, auch für die Zukunft vorsorgen. Ich habe absolut kein Verständnis, wenn SPÖ und NEOS hier über Wochen diese wichtige Hilfe verzögert haben. SPÖ und NEOS auf Bundesebene sollten sich eigentlich dafür schämen. Und ich weiß, wovon ich spreche. Ich war in der Buckligen Welt bei einem landwirtschaftlichen Betrieb zu Gast und mich hat der Bauer herumgeführt. Alles rundherum war dürr. Und er hat mir erzählt, dass er Rinder hat schlachten müssen, weil nicht ausreichend Futter mehr für die Rinder da war. Und das ist nur ein Beispiel, wie es ganz viele Landwirtinnen und Landwirte trifft. Diese 240 Mio. Euro sind wichtig und richtig. Und die Bäuerinnen und Bauern müssen dieses Geld natürlich nicht zurückzahlen."

"Heute": Im sogenannten Gastpatienten-Streit hat das Handelsgericht Wien eine vom Land NÖ unterstützte Schadenersatzklage abgewiesen. Schmerzt Sie das?

Zauner: "In der Frage der Gastpatienten geht es ja darum, dass niederösterreichische Landsleute, die ein Leben lang ins Gesundheits- und Sozialsystem eingezahlt haben, in Wien auf einmal nicht mehr behandelt werden, weil die Wiener Stadtregierung sagt, dass dafür das Geld in den eigenen Kassen nicht vorhanden ist. Und deswegen hat es diese Klage eines Gastpatienten gegen die Bundeshauptstadt Wien gegeben, die vom Land Niederösterreich unterstützt wird. Dass diese Klage jetzt abgewiesen wird, damit haben wir fast gerechnet. Denn was haben wir mit dieser Klage bezweckt? Wir wollen damit zum Verfassungsgerichtshof gehen, damit der Verfassungsgerichtshof feststellt, ob das Wiener Gesetz, dass eben ein Unterschied gemacht wird zwischen Niederösterreicher und Wienern, ob das verfassungsrechtlich hält oder nicht."

„Die Sozialhilfe ist für die Schwächsten und nicht für die Frechsten.“
Matthias ZaunerVPNÖ-Landesgeschäftsführer

Der VPNÖ-Landesgeschäftsführer weiter: "Aber das ist eine sehr technische Frage und ich will das Thema abseits der technischen Frage beantworten. Wir brauchen eine Lösung im Sinne der nö. Patientinnen und Patienten. Der Vorschlag des Wiener Bürgermeisters, der jetzt am Tisch liegt, dass man einfach die erbrachte Leistung auch bezahlt, die ist gut, die ist vernünftig."

"Wir brauchen eine Kostenwahrheit"

"Heute": Woran hakt es?

Zauner: "Es gibt natürlich zwei Grundvoraussetzungen, dass dieses Modell des Wiener Bürgermeisters funktionieren kann. Für dieses Modell muss der Pauschalbetrag, den wir jetzt nach Wien zahlen, dann den Niederösterreichern zur Verfügung stehen. Und wir brauchen eine Kostenwahrheit. Es kann nicht sein, dass die Hüfte in Wien das Zehnfache von der Hüfte in NÖ kostet."

"Heute": Im November 2025 wurden die Verschärfungen der Sozialhilfe in Niederösterreich beschlossen. Wie sieht Ihre Halbjahresbilanz aus und wie sieht es bundesländerübergreifend aus?

Zauner: "Hier braucht es auf alle Fälle Nachschärfungen nach dem niederösterreichischen Modell. Für uns in Niederösterreich ist klar: Die Sozialhilfe ist für die Schwächsten und nicht für die Frechsten. Und deswegen haben wir das strengste Sozialhilfemodell in Österreich. Und wenn jetzt die Bundesregierung plant, eine einheitliche Sozialhilfe zu schaffen, dann ist dieser Schritt gut, wichtig und richtig. Denn für uns zählt noch immer: Wer Arbeiten geht, darf nicht der Dumme sein. Das heißt, es kann nicht sein, dass die einen das System mit ihrer Arbeit am Laufen halten und die anderen sich in der Hängematte zurücklehnen und davon profitieren."

"Heute": Wien hat zumindest ein bisschen nachgezogen.

Zauner: "Wien hat bei den Subsidiär Schutzberechtigten Veränderungen herbeigeführt. Und man staune: Die Menschen gehen auf einmal arbeiten. Wir müssen schauen, dass wir Menschen in Beschäftigung bringen und nicht in der sozialen Hängematte liegen lassen. Das System muss auf der anderen Seite so ausgestaltet sein, dass jene, die Hilfe brauchen, diese Hilfe auch erhalten."

„Wir werden das Ziel einer flächendeckenden Kinderbetreuung ab zwei Jahren bis Herbst nächsten Jahres erreicht haben.“
Matthias ZaunerVPNÖ-Landesgeschäftsführer

"Heute": Stichwort "Das ist keine Arbeit". Was sagen Sie zum Kinderbetreuungs-Sager des Kanzlers?

Zauner: "Der Herr Bundeskanzler hat selbst alles dazu gesagt. Der Bundeskanzler hat sich sofort dafür entschuldigt. Und da denke ich mir – in der politischen Debatte – sollte eine Entschuldigung auch etwas wert sein. Bei uns in Niederösterreich lernt man das übrigens im Kindergarten."

VPNÖ-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner zu Gast bei "Heute" am Dienstag, 25. August 2026.
Sabine Hertel

"Heute": Seit 2022 wird in NÖ das Kinderbetreuungsangebot mit Tempo ausgebaut. Das wird sogar von NEOS und den Grünen geschätzt. Die Kritik: Es passierte zu spät.

Zauner: "Bei einem Grätzel-Gespräch ist abermals eine Mutter auf mich zugekommen und hat mir erzählt, wie großartig diese Kinderbetreuungsoffensive in Niederösterreich ist. Es geht ganz einfach um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wie erreichen wir das? Wir bringen die 2-Jährigen in die Kindergärten, wir organisieren auch die Kinderbetreuung ab einem Jahr. Wir schaffen dadurch eine kleinere Gruppenanzahl. Wir werden das Ziel einer flächendeckenden Kinderbetreuung ab zwei Jahren bis Herbst nächsten Jahres erreicht haben."

{title && {title} } wes, {title && {title} } Akt. 26.08.2026, 09:47, 26.08.2026, 05:15