41,2 Grad, verdorrte Felder, knappe Wasserreserven und Nächte ohne echte Abkühlung: Der Sommer hat Österreich gezeigt, wie hart die Folgen steigender Temperaturen werden können – auch für die Wirtschaft.
Für Kari Ochsner, Präsident der Industriellenvereinigung Niederösterreich und Geschäftsführer von Ochsner Wärmepumpen, ist klar: Klimaschutz darf nicht als Luxusproblem abgetan werden. Er rechnet in einem Gastkommentar im Nachrichtenmagazin "profil" ungewöhnlich scharf mit jenen ab, die den menschengemachten Klimawandel weiter bestreiten oder verharmlosen.
"Allen populistischen Klimawandelleugnern sei ins Stammbuch geschrieben: Wer wissenschaftlich belegte Fakten kleinredet oder ignoriert, um billig Stimmen zu fangen, gefährdet die Zukunft unserer Kinder", schreibt Ochsner, selbst dreifacher Vater. Dass dem politisch nicht entschiedener entgegengetreten werde, sei für ihn unverständlich.
Der Unternehmer verweist nicht nur auf Hitze und Dürre, sondern auch auf wirtschaftliche Folgen. Niedrigwasser habe Unternehmen gezwungen, Transporte zu verlagern. Die vergangenen kühleren Tage hätten zwar für Entspannung gesorgt, an der Bilanz ändere das aber nichts.
Ochsner fordert von der Bundesregierung, den Klimaschutz nicht zu vergessen und nicht einfach darauf zu hoffen, dass der nächste Sommer wieder kühler werde. Für ihn ist der Klimawandel die größte Herausforderung dieser und kommender Generationen: "Einfache Antworten darauf gibt es nicht". In Schockstarre zu verfallen, helfe allerdings auch nicht.
Gleichzeitig warnt er vor falschen Gegensätzen. Klimaschutz dürfe nicht gegen Wohlstand, Arbeitsplätze oder soziale Sicherheit ausgespielt werden. Entscheidend sei ein Kurs mit "Hausverstand": keine unrealistischen Fristen, kein Gold-Plating, keine Verbote ohne brauchbare Alternativen.
Österreich müsse nicht zehn Jahre (2040) vor dem Rest der EU klimaneutral sein, betont Ochsner. Es brauche leistbare Energiepreise, raschen Netzausbau und verlässliche Rahmenbedingungen für Betriebe, die bereits Milliarden in die Transformation investiert hätten.
Auch sozial müsse die Energiewende funktionieren. Wer in einer aufgeheizten Wohnung sitze, erlebe 38 Grad anders als jemand, der sich Kühlung leisten könne. "Die Energiewende gelingt nur, wenn sie niemanden überfordert."
Die Industrie sieht Ochsner nicht als Gegner, sondern als Teil der Lösung. Österreich habe im Green-Tech-Bereich Tausende Unternehmen, zehntausende Beschäftigte und Milliardenumsätze. Stahlerzeugung und Zementproduktion seien im internationalen Vergleich bereits besonders effizient.
"Nicht zum Hausverstand gehört die Ausrede, zuerst müssten die anderen etwas tun. Wer zum Abwarten rät, übersieht auch die wirtschaftliche Realität", konstatiert Ochsner. Der internationale Wettbewerb um Lösungen der klimaneutralen Wirtschaft ist längst im Gang: China und Indien investieren längst massiv in erneuerbare Energien. Auch Trumps Amerika werde sich dieser Entwicklung auf Dauer nicht entziehen können.
Sein Fazit fällt deutlich aus: "Über den richtigen Weg können und müssen wir diskutieren, aber nicht darüber, ob wir ihn gehen. Denn ein Planet B ist nicht in Sicht."