Fast 60.000 Arbeitnehmer haben sich heuer zwischen 1. Jänner und 30. Juni wegen Problemen im Job an die Arbeiterkammer Niederösterreich gewandt. In den meisten Fällen konnte bereits eine Beratung helfen. Für rund 4.000 Betroffene musste die AK allerdings beim Arbeitgeber intervenieren oder sogar vor Gericht ziehen.
Das Ergebnis ist beachtlich: Insgesamt wurden laut AK 70,7 Millionen Euro an Nachzahlungen für Beschäftigte erreicht. Dabei ging es vor allem um offene Löhne und Gehälter, nicht bezahlte Urlaubs- oder Kündigungsentschädigungen sowie Abfertigungen.
"Die meisten Betroffenen wären ohne unsere Beratung und Rechtsvertretung nicht zu ihrem Geld gekommen", sagt AK-Niederösterreich-Präsident Markus Wieser.
Alarm schlägt die AK auch beim Insolvenz-Entgeltfonds. Dieser springt ein, wenn Unternehmen pleitegehen und offene Löhne oder Gehälter ihrer Mitarbeiter nicht mehr bezahlen können.
Nach einer Reihe von Insolvenzen seien die Mittel des Fonds inzwischen praktisch aufgebraucht, warnt Wieser. Gleichzeitig sei der Dienstgeberbeitrag in den vergangenen Jahren schrittweise von 0,55 auf 0,1 Prozent gesenkt worden.
Kritik übt die AK auch an Überlegungen, die Absicherung durch den Fonds von bisher sechs auf drei Monatsentgelte zu reduzieren. Das würde laut Wieser tausende Arbeitnehmer treffen.
Eine völlig neue Herausforderung zeigt sich unterdessen bei den Beratungen der AK: Immer mehr Arbeitnehmer holen sich vor ihrem Termin Rat bei Künstlicher Intelligenz wie ChatGPT oder Gemini. Das kann allerdings ins Auge gehen.
Besonders häufig würden KI-Systeme deutsches und österreichisches Arbeitsrecht miteinander verwechseln. Gerade bei Kündigungen oder Fristen unterscheiden sich die Regeln teils deutlich.
Auch entscheidende Details eines konkreten Falls würden von KI-Systemen oft nicht ausreichend berücksichtigt, warnt die AK.
"Wer der KI blind vertraut, geht ein hohes Risiko ein und kann wichtige Ansprüche verlieren", sagt Wieser. Besonders bei der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses könne eine falsche Auskunft erhebliche rechtliche Folgen haben.
Die AK rät deshalb, bei arbeitsrechtlichen Problemen nicht allein auf Antworten aus dem Internet oder von einer KI zu vertrauen.