Bekannter von Swift-Terrorist

Gebet in Moschee vor Angriff – Bandenkrieg-Exzess

Tag zwei im Prozess gegen junge Männer, die bei einer brutalen Straßenschlacht in Wien-Meidling dabei waren. Unter den Angeklagten: Luca K. (18).
09.01.2026, 11:06
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Dieser Prozess bewegt ganz Wien – heute wird weiter verhandelt. Es geht um die fürchterliche Eskalation der Bandenkriege – vor allem in Wien-Meidling.

Konkret: Am 7. Juli 2024 attackierte eine Gruppe (teils russischer bzw. tschetschenischer) Jugendlicher die rivalisierende 505er-Bande. Mehr als 30 Mitglieder waren am Straßenkampf beim Bahnhof Meidling beteiligt. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Insgesamt 24 junge Männer wurden identifiziert, acht mussten sich bereits am Donnerstag wegen absichtlich schwerer Körperverletzung und schwerer gemeinschaftlichen Gewalt am Wiener Landl verantworten. Überraschendes Urteil: jeweils 6 Monate bedingte Haft – somit kein Gefängnis!

Heute, Freitag, geht es weiter. Die nächsten acht Angeklagten stehen vor Gericht – zwei bekannten sich nicht schuldig. Alle Augen richten sich an diesem zweiten Prozesstag auf Luca K. Der 18-Jährige erlangte bereits Bekanntheit in Österreich: Der Niederösterreicher aus Ternitz wurde erstinstanzlich wegen terroristischer Vereinigung und der kriminellen Organisation verurteilt, er war zudem ein Bekannter von Beran A., der im August 2024 ein Attentat beim Konzert von Taylor Swift geplant haben soll.

Der 18-Jährige, der mit dem mutmaßlichen Attentäter und anderen Jugendlichen im Auto Runden drehte, sitzt derzeit in Wiener Neustadt in sogenannter Zwischenhaft. Er soll bei der Gewalttat in Meidling dabei gewesen sein und sie auch – zumindest teilweise – mitgefilmt haben.

Beschuldigter grinste, als er Gericht betrat

Kurz vor 9 Uhr wurde Luca K. flankiert von drei Polizisten in Handschellen zum Prozess eskortiert (Foto ganz oben). Der 18-Jährige trug eine schwarze Jeans, ein weißes Hemd und ein schwarzes Gilet. Auf den Lippen hatte er – noch – ein Grinsen.

Mittagessen, Moschee – dann Attacke in Meidling

Er beschreibt den Tag der Gewalt: Man habe sich mit anderen zum Mittagessen getroffen, dann zogen die jungen Männer in eine Moschee. Sie beteten noch vor dem Angriff.

Luca K. habe gewusst, dass es zu einer Gewalttat kommen wird, "aber nicht, dass es so hart wird", verteidigt er sich. Fast alle der über 30 Beteiligten habe er nicht gekannt, gibt er zu Protokoll.

Die Attacke war laut den Schilderungen im Vorfeld minutiös geplant. Der Erstangeklagte, Abu D. – bekannt als "der Stellvertreter" –, organisierte die Attacke über eine Telegram-Gruppe. Vor Ort teilte er die überwiegend in Schwarz gekleideten und teils vermummten Jugendlichen und junge Männer in (Schläger-)Gruppen ein.

"Wollte sehen, was passiert"

Man sei vom Bahnhof Meidling zum Schedifkaplatz gegangen, berichtet Luca K.: "Ich sah, dass eine Sporttasche im Spiel war (mit Waffen darin, Anm.). Ich habe gewusst, dass es zu einer Schlägerei kommen wird, aber ich war schon so tief drinnen und wollte einfach sehen, was passiert."

Im nächsten Moment hörte der 18-Jährige den Schrei eines Opfers, er hatte sein Handy in der Hand und bekam die Anordnung, mitzufilmen. Der Beschuldigte: "Weil ich so naiv war, habe ich ein Video aufgenommen, statt dem Opfer zu helfen. Heute sehe ich das als Fehler." Danach sei er weggelaufen: "Ich war so unter Adrenalin."

Vor Gericht bekennt sich Luca K. schuldig und zeigt sich reuig: "Das war alles ein Fehler, das sehe ich ein. Heute würde ich das nicht mehr machen", sagt er. Seit August 2024 befindet sich der 18-Jährige in Wr. Neustadt im Gefängnis, sitzt eine 28-monatige Haftstrafe ab.

"Ich habe sehr viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Ich bereue es und würde es gerne wieder gutmachen. Ich tue alles, was mich von der schiefen Bahn wegbringt. Wenn ich entlassen werde, möchte ich eine Maurer-Lehre machen und mir mit meiner Familie etwas aufbauen", erklärt der Niederösterreicher, der mit seiner Lebensgefährtin eine zehn Monate alte Tochter hat.

"Stellvertreter" vermittelte Jobs bei Swift-Konzert

Zudem absolviert Luca K. derzeit im Gefängnis ein Anti-Gewalttraining und nimmt an einem Deradikalisierungs-Programm teil: "Ich bin froh, dass ich festgenommen wurde und ein Kind bekommen habe. Ich weiß, dass ich es schaffen werde", blickt er optimistisch in die Zukunft.

Hinterfragenswert ist die Rolle des Erstangeklagten Abu D. alias "der Stellvertreter": Er soll nicht nur die konzertierte Attacke auf die Afghanen geplant haben, sondern vermittelte laut Luca K.'s Schwester auch Jobs beim Taylor-Swift-Konzert in Wien: "Er hat Luca und auch anderen Arbeiten für den Auf- und Abbau im Stadion vorgeschlagen."

Mit 15 Jahren radikalisiert

Laut der Schwester war der mutmaßliche Swift-Attentäter Beran A. nur ein Bekannter ihres Bruders und kein enger Freund: "Sie kannten sich erst seit sechs, sieben Wochen. Luca wurde benutzt, weil er ein Auto hatte. Er hat gemerkt, dass mit Beran etwas nicht stimmt, hätte ihm aber nie so eine Tat zugetraut", meint sie.

Luca K. ist in Österreich geboren und in einer christlichen Familie aufgewachsen: "Alles hat mit TikTok angefangen. Mit 15 Jahren hat er sich immer mehr zurückgezogen und ist in radikale Kreise geraten. Er hat definitiv eine Gehirnwäsche bekommen. Seit er im Gefängnis sitzt, hat er eine Kehrtwende gemacht, er denkt jetzt vor allem an die Zukunft", so seine Schwester abschließend.

Sechs Monate Haft für Luca K.

Die Entlassung aus seiner Haft wird sich wohl noch etwas nach hinten verschieben: Luca K. fasste am Freitag zusätzliche sechs Monate aus. Die restlichen fünf Geständigen werden zu teilbedingten beziehungsweise bedingten Strafen verurteilt – alle nicht rechtskräftig. Gegen zwei Angeklagte, die sich nicht schuldig bekannten, wird der Prozess vertagt. Spannend wird es dann wieder am 13. Jänner – an diesem Tag steht unter anderem der Drahtzieher der Attacke am Meidlinger Bahnhof vor Gericht.

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