Eine 41-jährige Ex-Polizeischülerin aus Niederösterreich wirft Ausbildnern und Mitschülern massives Mobbing, Beschimpfungen und Demütigungen während ihrer Ausbildung vor, klagt nun die Republik um 100.000 Euro. "Es geht und ging mir nie um Geld – sondern nur ums Prinzip", will sie in "Heute" klarstellen.
Die zweifache Mutter habe sich auf zweitem Bildungsweg bei der Polizei abgerackert, tausende Kilometer zwischen Niederösterreich und Wien mit dem Auto zurückgelegt, sich stets motiviert und ehrgeizig gezeigt und auch alle Ausbildungsziele erfüllt. "Und am Ende wird man dennoch so behandelt", bedauert die Betroffene.
Sie wurde laut ihren Aussagen wegen ihrer Tattoos verspottet, von einer Kollegin öffentlich beleidigt und von Vorgesetzten von Ausbildungsinhalten ausgeschlossen. Auch habe es Drohungen gegen sie gegeben – etwa, dass sie künftig keinen Job mehr bei einer Blaulichtorganisation bekomme. Die Polizei wollte sich gegenüber "Heute" nicht zum laufenden Verfahren äußern.
Da die Betroffene nicht an einen Einzelfall glaubt, machte sie die Sache schließlich öffentlich: "Irgendwer muss irgendwann einmal aufzeigen und Stopp sagen", findet sie. Indes meldete sich nun ein weiterer Betroffener, der 2022 zur Aufnahme in Oberösterreich eingerückt war.
Der österreichische Staatsbürger sei von einem Uniformierten beim Aufnahmegespräch wegen seiner türkischen Herkunft diskriminiert worden. Es seien Sätze gefallen, die vom Bewerber in der Situation als rassistisch aufgefasst wurden. "Wissen Sie eh, dass bei uns in Österreich eine 5-Tage-Woche ist? Können Sie Grammatik", sei er süffisant gefragt worden. Am Ende wurde der damals 43-Jährige abgelehnt.
Auch wenn sich viele Vorwürfe schwer bis gar nicht überprüfen lassen und für alle Beteiligte die Unschuldsvermutung gilt. Der "Kurier" berichtete kürzlich: Viele Polizei-Anwärter beenden ihre Ausbildung nicht. Die Drop-Out-Quote ist selbst bei denjenigen hoch, die den zweitägigen Aufnahmetest bestehen. Im Vorjahr fielen in Wien etwa 30 Prozent der Polizeischüler aus der Schule aus. Von den 415 Männern und Frauen, die vor drei Jahren ihre Ausbildung begonnen haben, traten nur 285 als Polizistinnen und Polizisten tatsächlich ihren Dienst an, 130 nicht.