Dass sich "ESC"-Sieger JJ kein Blatt vor den Mund nimmt, wissen seine Fans längst. Gemeinsam mit Tom Neuwirth alias Conchita Wurst spricht der Sänger im FM4-Podcast "Bussi Blabla" regelmäßig ungefiltert über alles, was ihn bewegt.
Bei einer Live-Ausgabe vor Publikum wurde nun das Wiener Öffi-Leben zum großen Aufregerthema.
Menschen, die freie Sitzplätze in der U-Bahn mit ihren Taschen blockieren, bringen den Musiker auf die Palme, erklärte er zuerst. "Dann setz ich mich einfach hin, rutsch rein und schiebe die Tasche weg", erklärte JJ freimütig. Wenn die Betroffenen daraufhin genervt reagieren, hat er seine Antwort bereits parat: "Dann rollen sie die Augen, aber ich sage dann: Hat die Tasche eine Fahrkarte gekauft oder nicht?"
Kurz darauf richtete sich sein Ärger gegen die Ticketpreise. "Können wir kurz darüber sprechen? Warum sind die Öffi-Tickets so teuer geworden?", fragte er. Wurst stimmte ein: "Warum ist alles so teuer geworden?" Doch JJ blieb beim Thema Nahverkehr und ergänzte fassungslos: "Geht's eigentlich noch?" Sein Schlusswort fiel eindeutig aus: "Vergiss es, dann geh ich zu Fuß. Da bin ich 300 Euro reicher."
Mit seiner Kritik spricht JJ ein Thema an, das derzeit auch politisch heiß diskutiert wird. Grünen-Politiker Peter Kraus schreibt unter einem Ausschnitt des Talks der beiden "ESC"-Gewinner in den Kommentaren: "Taschen auf Sitzplatz und teure Öffis – einfach falsche Prioritäten. Was ja generell absurd ist: Autobahnen werden wieder ausgebaut, Öffis dafür teurer gemacht und der U-Bahn-Ausbau verschoben", und sieht das politisch genauso falsch, wie eine Tasche am Sitz.
Scharfe Töne kommen zuletzt auch von FPÖ-Wien-Chef Dominik Nepp ("Heute" berichtete). Ein Jahr nach dem Start der neuen rot-pinken Stadtregierung in Wien spart auch er nicht mit Kritik: "Bürgermeister Ludwig hat die Wiener im Wahlkampf bewusst in die Irre geführt. Noch vor der Wahl versprach er, dass das 365-Euro-Jahresticket der Wiener Linien erhalten bleibt. Kaum war die Wahl geschlagen, wurde die Jahreskarte massiv verteuert. Das ist ein klarer Wortbruch gegenüber hunderttausenden Wienern, die auf die Öffis angewiesen sind."
Zudem kritisiert er: "Nach einem Jahr Rot-Pink II zeigt sich deutlich, dass diese Stadtregierung keine Antworten auf die Herausforderungen in Wien hat. Statt Entlastung gibt es Belastungen, statt Reformen Stillstand. Wien braucht endlich einen Kurswechsel im Interesse der eigenen Bevölkerung."