Russland in der Krise

General packt aus: "Putin bleibt maximal noch ein Jahr"

Es ist ein Interview mit Sprengkraft: Unter dem Schutz der Anonymität packt ein russischer General über die Folgen des Ukraine-Kriegs aus.
Newsdesk Heute
08.07.2026, 18:03
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Der russische Exiljournalist Dmitri Kolesew veröffentlichte am Montag ein Interview, das weltweit für Schlagzeilen sorgt. Ein hochrangiger Offizier der russischen Streitkräfte zeichnet anonym ein erschütterndes Bild der Lage an der Front und der Zukunft seines Landes. Es soll sich dabei um einen Mann im Rang eines Generals handeln, der auch im Ukraine-Krieg eingesetzt worden war.

"An der Front herrscht derzeit eine Pattsituation", sagt er. Das ausgegebene Ziel einer vollständigen Eroberung des Donbass sei unter den gegebenen Umständen unmöglich zu erreichen. Die russische Armee müsste dazu Zehntausende Soldaten in diesem Frontabschnitt zusammenziehen, um die ukrainische Drohnenverteidigung zu überwältigen. Mit den derzeitigen Rekrutierungsraten sei das nicht zu schaffen.

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Mobilmachung

Der Kreml könnte deshalb bereits auf eine Generalmobilmachung hinarbeiten. Dass Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am 5. Juli erstmals offiziell von einem "Krieg" sprach, deutet für den General darauf hin. Denn für eine allgemeine Mobilmachung müsse nach russischer Verfassung erst das Kriegsrecht verhängt werden, was eine Bedrohung von außen voraussetze. "Höchstwahrscheinlich ist dies der erste Schritt zur Vorbereitung der Mobilmachung und zur Überprüfung der öffentlichen Reaktion."

In erster Linie gehe es dabei darum, Einberufene als Sturmtruppen an die Front zu schicken. "Dabei spielt es keine große Rolle, in welcher Uniform und Ausrüstung. [...] Mit Verlusten wird sich sicherlich niemand aufhalten. Das Wichtigste ist, das eigene Gesicht zu wahren", so die düstere Aussage des Generals über die politische und militärische Führungselite seines Landes.

Trump

Ansonsten könnte nur eine innenpolitische Krise in Kyjiw oder ein Absprung der europäischen Verbündeten genug Raum für eine Offensive schaffen. "Die größte Hoffnung ruht auf dem Druck, den Trump [auf die Ukraine] ausübt." Deshalb habe Putin zuletzt auch öffentlich einen "völlig übertriebenen" Lagebericht seines Generalstabs verlesen: "Er ist ausschließlich für Trump und seine Regierung bestimmt. Das Ziel ist es, die Meinung der US-Führung zu beeinflussen" – und vielleicht mit ihrer Hilfe eine Kreml-treue Marionettenregierung in Kyjiw zu installieren.

Atomwaffen

Was bliebe dem Kreml noch? Nicht viel. "Reine Fantasie", urteilt der Offizier über die Möglichkeit eines Angriffs auf die europäischen Unterstützer der Ukraine oder gar den Einsatz von Atomwaffen. "Das militärisch-wirtschaftliche Potenzial dafür fehlt." Nachsatz: "Atomwaffen in all ihren Ausprägungen sind ausschließlich Abschreckungs- und Verteidigungswaffen. Jede Variante des Einsatzes von Atomwaffen ist eine Vergeltungsmaßnahme mit irreversiblen Folgen."

Frieden

Obwohl es mit der russischen Wirtschaft bergab geht und die Treibstoffkrise im ganzen Land immer schlimmer wird, denkt Wladimir Putin nicht daran, seinen Krieg zu beenden. Für die militärische und politische Führung des Landes gehe es ums eigene Überleben. Solange die hochtrabenden Ziele nicht erreicht wurden, hätte die Elite gar kein Interesse an Verhandlungen, sagt der anonyme General im Interview.

Er macht sich Sorgen um die Zukunft seines Landes: "Objektiv und nüchtern betrachtet, sind diese Verhandlungen notwendig. Andernfalls ist das Land nicht zu Entwicklung und Wohlstand verdammt, sondern zu einer vollständigen Umgestaltung in eine Kriegsmaschine mit nationalsozialistischer Ideologie." Russland würde wie Nordkorea werden und damit zu einer Bedrohung für Europa und alle postsowjetischen Länder.

Ein Kriegsende ohne Sieg würde für die Führung zwar schmerzhaft, könnte aber eine "katastrophale politische Umwälzungen verhindern", sagt er. Noch sei ein Einfrieren des Konflikts entlang der derzeitigen Frontlinie möglich: "Aber die Zeit verändert alles, und im Falle langwieriger Kriege nicht zum Besseren. Höchstwahrscheinlich haben wir noch ein halbes bis ein Jahr Zeit, nicht mehr."

Zusammenbruch

Danach würde Russland von einer Welle aus gravierenden Problemen erfasst: "In den Krieg werden dann bereits jene ziehen, die zum Zeitpunkt seines Ausbruchs 13 bis 14 Jahre alt waren... Und diejenigen, die zu Beginn des Krieges geboren wurden, werden zur Schule gehen und ein bewusstes Leben beginnen. Es wird eine gewisse Perspektive auf einen Wandel des gesellschaftlichen Bewusstseins geben – ein Leben auf einem Pulverfass."

Es hat bereits begonnen: Am 12. Juni 2026 ist bereits ein russischer Soldat ums Leben gekommen, der erst 2008 geboren wurde. Als Putin den Überfallbefehl gegeben hatte, war Nikita M. gerade einmal 13 Jahre alt. Er ist einer von inzwischen 11.000 Toten alleine in seiner Region. "Jeder achtzigste Mann im erwerbsfähigen Alter ist im Krieg gefallen", meldet das "Baikal Journal".

Der anonyme General rechnet damit, dass die innenpolitischen Spannungen zwischen den Volksgruppen der Russischen Föderation dramatisch zunehmen werden – und das Land vor eine Zerreißprobe stellen könnten. "Das würde mit großer Wahrscheinlichkeit einen Bürgerkrieg bedeutet, der zum Zusammenbruch des Staates führt", lautet sein Horror-Szenario.

{title && {title} } red, {title && {title} } 08.07.2026, 18:03
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