Vor Halloween laufen in Wien Ermittlungen wegen Gewalt- und Plünderungsaufrufen. Gleichzeitig werden unter dem Schlagwort "Gen Z" politische Proteste beworben. Auch in Deutschland und der Schweiz kursieren Aufrufe für Samstag (31. Oktober) – dahinter stehen allerdings unterschiedliche Akteure. Die deutsche Initiative "Gen Z regelt" bekennt sich ausdrücklich zu friedlichem Protest.
Wie berichtet, fanden am Freitagfrüh sechs Hausdurchsuchungen in Wien und Niederösterreich statt. Laut Polizei sollen sechs ausgeforschte Personen für Internetaufrufe zu Gewalt und Plünderungen von Luxusgeschäften hauptverantwortlich sein.
Vier Verdächtige zwischen 14 und 22 Jahren wurden zur sofortigen Vernehmung vorgeführt. Ein fünfter sitzt wegen eines anderen Eigentumsdelikts in einer Justizanstalt, nach dem sechsten wird gefahndet.
Sichergestellt wurden unter anderem zwei Schreckschusspistolen, eine Softgun, Munition, eine Machete und Datenträger. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.
Neben den Gewaltaufrufen gibt es Ankündigungen mit politischen Forderungen. Ein vorliegender Instagram-Beitrag, der unter anderem vom Account "roteoffensive_w" geteilt wurde, bewirbt eine Kundgebung am Samstag um 14 Uhr beim Parlament. Zuvor war in anderen Aufrufen der Heldenplatz genannt worden. Auf dem orangefarbenen Plakat steht "GEN-Z regelt das". Gefordert werden "Geld für Bildung statt für Rüstung" und ein "Nein zum Kopftuchverbot".
Die Wiener Polizei bereitet sich unterdessen auf unterschiedliche Einsatzlagen vor. Mehrere Hundert Beamte sollen zu Halloween im Stadtgebiet unterwegs sein, sowohl uniformiert als auch in Zivil.
In Deutschland sind in zahlreichen Städten Demonstrationen angekündigt. Zu den Anliegen zählen bessere Bildung, ein bezahlbares Leben und die Ablehnung einer Wehrpflicht.
Die Organisatoren von "Gen Z regelt" stellen auf ihrer Website klar, welche Grundsätze Teilnehmer mittragen sollen: "Gegen jede Gewalt. Unser Protest ist friedlich, ohne Ausnahme. Extremismus, Rassismus, Ableismus und Hetze haben bei uns keinen Platz." Auch Sachbeschädigungen und Randale lehnt die Initiative ausdrücklich ab.
Anders klingt ein Aufruf aus der linksextremen Szene in Zürich. Laut dem Schweizer Nachrichtenportal Nau wurde er auf "barrikade.info" veröffentlicht und unter anderem von der Revolutionären Jugend Zürich verbreitet. Für Samstagabend wird zu einer unbewilligten Kundgebung im Kreis 4 aufgerufen; der Text stellt auch eingeschlagene Scheiben positiv dar. Die Stadtpolizei bereitet ein entsprechendes Aufgebot vor.
Eine gemeinsame Steuerung sämtlicher Aufrufe im deutschsprachigen Raum ist nicht belegt. In Wien laufen die Ermittlungen zu den mutmaßlichen Anstiftern weiter. Wie viele Menschen den verschiedenen Protestaufrufen tatsächlich folgen werden, ist offen.