Tierisches Schlupfloch

Gesetzeslücke lässt tausende unserer Katzen leiden

Zum Weltkatzentag schlagen Tierschützer Alarm: Ein simples Schlupfloch macht es Katzenhaltern in Österreich leicht, die Kastrationspflicht zu umgehen.
Heute Tierisch
07.08.2026, 09:50
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Wer seine Katze ins Freie lässt, muss sie in Österreich grundsätzlich kastrieren lassen. Doch eine Ausnahme macht es Haltern offenbar erstaunlich einfach, die Pflicht zu umgehen. VIER PFOTEN warnt zum Weltkatzentag vor den Folgen – denn am Ende leiden vor allem die Tiere.

Tausende Streunerkatzen leben in Österreich ohne ausreichende Versorgung. Viele von ihnen kämpfen mit Hunger, Krankheiten oder Verletzungen. Gleichzeitig vermehren sich die Tiere weiter unkontrolliert. Genau das soll die Kastrationspflicht für Katzen mit Freigang eigentlich verhindern.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Gesetzeslücke

Doch nach Ansicht der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN hat die österreichische Regelung einen entscheidenden Haken: Halter können ihre Tiere als "Zuchtkatzen" melden – und damit von der Kastrationspflicht ausnehmen lassen. Für die Tierschutzorganisation ist das eine Gesetzeslücke, die dringend geschlossen werden müsse.

„Jede noch so gute Regelung wird sinnlos, wenn es Ausnahmen gibt, die jeder in Anspruch nehmen kann.“
Veronika WeissenböckKampagnenleiterin, Vier-Pfoten

Das Problem: Eine Meldung als Zuchtkatze sei günstiger, als das Tier kastrieren zu lassen. Gleichzeitig könne sich eine unkastrierte Freigängerkatze jederzeit mit anderen Haus- oder Streunerkatzen paaren. "Diese typisch österreichische Regelung ist aber nicht nur ärgerlich, sondern bedeutet auch Tierleid", sagt Weissenböck.

Bauernhofkatzen sind großes Problem

Besonders angespannt sei die Situation im ländlichen Raum. Auf und rund um Bauernhöfe können sich Katzenpopulationen stark vermehren, wenn sich niemand für die Kastration und Versorgung der Tiere verantwortlich fühlt. Wie schnell das theoretisch gehen kann, zeigt eine drastische Modellrechnung der Tierschutzorganisation: Ausgehend von durchschnittlicher Wurfgröße und Geschlechtsreife könnten zwei sich paarende Katzen innerhalb von fünf Jahren zu einer Population von 12.288 Tieren führen.

Die Streunerpyramide von Vier Pfoten zeigt sehr deutlich, wie schnell nur ein Katzenpaar zum Problem werden kann, wenn nicht kastriert wird.
©Vier Pfoten

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Vermehren sich Katzen innerhalb kleiner Populationen immer wieder untereinander, steigt laut VIER PFOTEN auch das Risiko von Inzucht und damit verbundenen gesundheitlichen Problemen.

Strengere Kontrollen

Für die Tierschützer führt deshalb kein Weg an konsequenter Kastration vorbei. Gefordert werden nicht nur flächendeckende Kastrationen, sondern auch stärkere Kontrollen und ein konsequenter Vollzug der bereits bestehenden Vorschriften. Vor allem müsse die Bundesregierung das Schlupfloch rund um sogenannte Zuchtkatzen schließen.

„Die Politik muss endlich Verantwortung übernehmen und bestehende Gesetzeslücken schließen. Es kann nicht sein, dass ausgerechnet jene Halter profitieren, die maßgeblich zum Problem mit beitragen“

Auch Katzenhalter selbst nimmt die Organisation zum Weltkatzentag in die Pflicht: Wer seiner Katze Freigang ermöglicht, sollte sie kastrieren lassen – nicht nur wegen der gesetzlichen Vorgaben, sondern vor allem, um eine weitere unkontrollierte Vermehrung und damit zusätzliches Tierleid zu verhindern.

{title && {title} } red, {title && {title} } 07.08.2026, 09:50