Wie lustig eigentlich, dass viele Dinge erst so richtig in Animationsfilmen behandelt werden, oder? Dass sich ein Opossum tot stellen kann, wissen viele österreichische Kinder nämlich tatsächlich aus dem mittlerweile fünfteiligen Hit-Blockbuster Ice-Age. Ab dem zweiten Teil sorgen bekanntlich die Opossum-Brüder "Crash" und "Eddie" für liebenswertes Chaos und stellen sich oftmals auch richtig dramatisch tot.
Gut, jetzt kann man ja sagen, dass Opossums bei uns gar nicht heimisch sind und vielleicht deshalb diese Wissenslücke mithilfe eines bezaubernden Films erst geschlossen werden musste. Tatsache ist aber, nicht nur ein Opossum setzt auf diese Überlebenstaktik.
Tiere sind ja oftmals Meister der Tarnung, aber das "Tot stellen" – oder auch "Thanatose" genannt – kann man am besten mit einem "Schreckreflex" vergleichen, der richtig ausgeführt zur Abschreckung, späteren Flucht und sogar bei der Fortpflanzung behilflich ist. Die sogenannte Torf-Mosaikjungfer lässt sich beispielsweise plötzlich tot zu Boden flattern, um sehr aufdringliche Paarungsbewerber wieder loszuwerden.
Auch einige männliche Spinnen müssen sich tot stellen, um für das Weibchen als "Snack" in das Nest transportiert zu werden. Sie binden sich dazu an zuvor gefangene Nahrungsinsekten und begatten die Dame, während sie frisst.
Die Fortpflanzungsmaßnahmen sind jedoch vergleichsweise selten, denn im Grunde hat das Totstellen nur den Sinn und Zweck zu überleben. Wenig Fressfeinde sind Aasfresser, weshalb das Opossum nicht nur tot aussieht, sondern auch tot riecht, indem es in seiner Schockstarre seinen Darm entleert.
Die Würfelnatter zieht hierbei ebenfalls alle Register, denn zunächst versucht sie sich noch einem Angriff zu stellen, indem sie windet und wickelt und dabei mit Kot und Urin einschmiert. Wenn es ihrem Feind hier noch immer nicht graust, stellt sie sich ebenfalls einfach tot.
Die Ringelnatter allerdings hat das "Totstellen" wirklich perfektioniert, denn sobald sie Beutegreifer wahrnimmt, schmeißt sie sich auf den Rücken, fängt an mittels Sekret ordentlich zu stinken und lässt sogar ihre Zunge aus dem Maul hängen. "Fresst mich nicht, ich schmecke nicht mehr!" Den Beweis liefern sogar eine Fotos:
Wer jetzt aber glaubt, nur Wildtiere greifen auf dieses Schauspiel zurück, irrt, denn auch Meerschweinchen und Kaninchen sind durchaus dazu in der Lage, sich einfach totzustellen. Es sollte allerdings in unserer Obhut besser nicht passieren, denn das Tier muss sich hier schon ordentlich schrecken.
Auch das Haushuhn wäre dazu fähig, in diese Schreckstarre zu verfallen, wenn Beutegreifer in den Stall kommen. Der Fuchs ist allerdings ein Aasfresser und stört sich an dem vermeintlich toten Huhn überhaupt nicht.