Giftige Industrieasche soll in Europa jahrelang als harmlose Alltagsprodukte verkauft worden sein. Die italienische Polizei hat nun ein internationales Netzwerk zerschlagen, das die belasteten Stoffe auch nach Österreich geliefert haben soll.
Wie Ermittler am Dienstag mitteilten, wurden die gefährlichen Materialien unter anderem als Grillkohlebriketts und Dünger vermarktet. Produziert worden seien die Waren in Serbien und Kroatien, verkauft wurden sie unter anderem in Deutschland und Österreich. Dort sollen sie auch in der Landwirtschaft eingesetzt worden sein.
Nach jahrelangen Ermittlungen klickten nun für zwölf Personen die Handschellen, darunter drei Österreicher. Außerdem wurde ein Betrieb in Südtirol geschlossen. Gegen sechs weitere Verdächtige sowie drei Unternehmen wird ebenfalls ermittelt.
Laut Polizei stammte die belastete Asche aus der sogenannten Pyrovergasung. Dabei werden organische Abfälle wie Holz unter Sauerstoffausschluss stark erhitzt, um Gas zu erzeugen. Die dabei entstehende Asche enthält polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die mit Krebserkrankungen in Verbindung gebracht werden.
Die Ermittler gehen davon aus, dass aus der giftigen Asche nicht nur Grillbriketts hergestellt wurden. Auch Düngemittel sowie Zusatzstoffe für Tierfutter und Beton sollen daraus produziert worden sein.
Um den Vertrieb europaweit abzuwickeln, soll die Gruppe laut Polizei ein Netzwerk aus Firmen in mehreren Ländern aufgebaut haben. Ziel sei gewesen, die gesamte Lieferkette unter Kontrolle zu haben. Zwei italienische Unternehmen sollen dabei "illegalen Gewinn in Höhe von mehreren hunderttausend Euro" erzielt haben.
Besonders brisant: Ein Ermittlungsrichter in Trient wirft auch Mitarbeitern des Umweltamts in Bozen vor, die Vorgänge gedeckt zu haben. Die Behörde habe laut Gericht eine "wesentliche Rolle" bei der Vertuschung gespielt.