Neue Frontex-Daten

Die neuen Flüchtlingszahlen: So viele kamen nach Europa

Neue Frontex-Zahlen zeigen einen starken Rückgang bei illegalen Einreisen. Doch im Mittelmeer sterben weiter Hunderte Menschen.
Newsdesk Heute
15.05.2026, 10:00
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Die Zahl der illegalen Grenzübertritte in die Europäische Union ist erneut deutlich gesunken. Nach neuen vorläufigen Daten der EU-Grenzschutzagentur Frontex wurden in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 weniger als 29.000 Fälle registriert. Das entspricht einem Rückgang von 40 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres. Besonders auffällig: Gegenüber dem Jahr 2023 hat sich die Zahl der registrierten illegalen Einreisen in diesem Zeitraum sogar beinahe gedrittelt. Damals wurden noch mehr als 82.000 Fälle gezählt.

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Die Zahlen zeigen einen Trend, den die EU seit Monaten hervorhebt. Nach Angaben aus Brüssel spielen mehrere Faktoren zusammen. Genannt werden die engere Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitländern, verstärkte Präventionsmaßnahmen entlang wichtiger Fluchtrouten und auch schwierige Wetterbedingungen zu Jahresbeginn, die Überfahrten erschwert hätten.

EU-Kommissar Magnus Brunner sprach von einer konsequenten Umsetzung der europäischen Migrationspolitik. "Wir arbeiten konsequent an der Umsetzung der europäischen Migrationswende. Dazu gehören ein effektiver Außengrenzschutz, die Zusammenarbeit mit Partnerländern entlang der gesamten Migrationsroute und ein funktionierendes System innerhalb der EU. Der starke Rückgang der illegalen Grenzübertritte zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Viele erreichen Europa nie

Trotz des deutlichen Rückgangs bleibt die Lage für viele Menschen dramatisch. Denn hinter den Zahlen stehen weiterhin lebensgefährliche Fluchtrouten und riskante Überfahrten. Laut der Internationale Organisation für Migration kamen allein heuer bereits mehr als 1.200 Menschen im Mittelmeer ums Leben. Schleuser würden Menschen nach wie vor in überfüllte und oft kaum seetüchtige Boote setzen. Viele erreichen Europa nie.

Besonders stark frequentiert blieben laut Frontex die Routen über das zentrale und das östliche Mittelmeer. Beide machten jeweils rund ein Drittel aller illegalen Einreisen in die EU aus. Die zentrale Mittelmeerroute blieb damit erneut die wichtigste Verbindung Richtung Europa. Dort wurden in den ersten vier Monaten des Jahres rund 8.500 Ankünfte registriert. Das waren zwar 46 Prozent weniger als im Vorjahr, dennoch blieb die Strecke hochaktiv.

Libyen war weiterhin der wichtigste Ausgangspunkt für Überfahrten über das zentrale Mittelmeer. Laut Frontex beeinflussten politische Entwicklungen in den Herkunfts- und Transitstaaten die Migrationsbewegungen stark. Auch Maßnahmen libyscher Behörden hätten Auswirkungen gehabt. Unter den am häufigsten registrierten Nationalitäten befanden sich Menschen aus Bangladesch, Somalia und dem Sudan.

Route von Libyen nach Kreta stark genutzt

Auch im östlichen Mittelmeer gingen die Zahlen zurück. Dort wurden rund 8.400 Überfahrten registriert, ein Minus von 32 Prozent. Allerdings blieb laut Frontex vor allem die Route von Libyen nach Kreta weiterhin stark genutzt. Die Sicherheitslage im Nahen Osten sorgt zudem weiter für Nervosität in Europa. Besonders die Situation im Libanon werde aufmerksam beobachtet. Die EU fürchtet neue Fluchtbewegungen über das Mittelmeer Richtung Zypern und andere Staaten.

Eine Ausnahme im europäischen Trend zeigte die westliche Mittelmeerroute. Dort stiegen die Zahlen deutlich an. Rund 5.200 registrierte Überfahrten bedeuteten ein Plus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hauptausgangspunkt blieb Algerien. Nach Einschätzung von Frontex hängt der Anstieg auch damit zusammen, dass Schleuser ihre Routen zunehmend verlagern. Verschärfte Kontrollen in Marokko sowie auf westafrikanischen und zentralen Mittelmeerstrecken hätten dazu geführt, dass mehr Boote von der algerischen Küste aus starten.

Auf der sogenannten Westbalkanroute registrierte Frontex rund 2.800 Fälle. Das entsprach einem Rückgang von 19 Prozent. Besonders die Grenze zwischen Kroatien sowie Bosnien und Herzegowina blieb ein zentraler Abschnitt. Gleichzeitig rechnen die Behörden damit, dass die Route in den kommenden Monaten wieder stärker genutzt werden könnte. Mit besserem Wetter nehme auch die Mobilität vieler Migranten zu.

Steigender Druck aus Belarus

Den stärksten Rückgang meldete Frontex auf der westafrikanischen Route. Dort wurden rund 2.300 Fälle registriert – ein Minus von 78 Prozent. Die EU führt das vor allem auf verstärkte Maßnahmen in Mauretanien, Senegal und Gambia zurück. Diese Staaten arbeiten enger mit Spanien und der EU zusammen. EU-Kommissar Brunner war im März selbst nach Mauretanien und Senegal gereist, um die Kooperation zu vertiefen.

An der östlichen Landgrenze der EU wurden rund 1.100 Menschen aufgegriffen. Das bedeutete einen Rückgang von 49 Prozent. Allerdings beobachtete Frontex zuletzt wieder steigenden Druck aus Belarus. Vor allem seit März hätten bessere Wetterbedingungen und neue gesetzliche Regelungen die Lage verändert. An der Grenze zur Ukraine registrierten die Behörden außerdem zahlreiche ukrainische Männer, die sich laut Frontex der Wehrpflicht entziehen wollten.

Auch Richtung Großbritannien gingen die Zahlen zurück. Die Zahl der festgestellten Ausreiseversuche über den Ärmelkanal halbierte sich beinahe auf rund 9.900 Fälle. Dazu zählen sowohl Menschen, die Großbritannien tatsächlich erreichten, als auch jene, die bereits vor der Überfahrt gestoppt wurden.

3.800 Beamte an den Außengrenzen

Während die EU den Rückgang der Zahlen als Erfolg wertet, bleibt die Diskussion über Migration in Europa hochsensibel. Zwischen Forderungen nach stärkerem Grenzschutz und Warnungen vor humanitären Katastrophen wächst der Druck auf die Politik weiter. Frontex selbst ist derzeit mit mehr als 3.800 Beamten an den Außengrenzen der EU im Einsatz. Die Behörde unterstützt nationale Grenzschützer und ist zugleich an Rettungseinsätzen auf See beteiligt.

{title && {title} } red, {title && {title} } 15.05.2026, 10:00
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