Die nächste Umfrage, der nächste "Polit-Hammer" in einem Bundesland. Nachdem erst vor wenigen Tagen neue Zahlen aus Niederösterreich für Aufsehen gesorgt hatten, zeichnet sich nun auch in Oberösterreich eine deutliche Verschiebung der Kräfteverhältnisse ab.
Ein Jahr vor der Landtagswahl liegt die FPÖ in einer neuen Spectra-Umfrage klar auf Platz eins. Das Linzer Meinungsforschungsinstitut befragte insgesamt 1.000 Oberösterreicher zwischen 16 und 75 Jahren. Auftraggeber der Studie war der grüne Landtagsklub, die "Kronen Zeitung" berichtete zuerst.
Das Ergebnis hat es in sich: 32 Prozent würden derzeit FPÖ wählen. Die Freiheitlichen von Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner liegen damit deutlich vor der ÖVP. Die Volkspartei von Landeshauptmann Thomas Stelzer kommt nur noch auf 26 Prozent. Der Abstand zwischen Blau und Schwarz beträgt damit bereits sechs Prozentpunkte.
Für die ÖVP wäre ein tatsächliches Wahlergebnis in dieser Größenordnung historisch: Seit 1945 ist die Volkspartei in Oberösterreich durchgehend stärkste Kraft und stellt den Landeshauptmann.
Doch nicht nur an der Spitze gibt es ein politisches Beben. Dahinter gelingt den Grünen eine Überraschung: Sie kommen laut Umfrage auf 17 Prozent und würden damit auf Platz drei landen. Die SPÖ fällt mit 16 Prozent auf Rang vier zurück. Für Landesparteichef Martin Winkler wären diese Zahlen ein schwerer Rückschlag.
Politikwissenschafter Peter Filzmaier sieht dabei auch Gegenwind aus Wien. SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler sei "sicher keine großartige Wahlkampfhilfe für Martin Winkler", analysiert er in der "Krone".
Noch härter trifft es allerdings die Neos. Die Pinken kommen in der Umfrage nur auf drei Prozent. Damit würden sie an der Vier-Prozent-Hürde scheitern und aus dem oberösterreichischen Landtag fliegen.
Auch für die MFG, die bei der Landtagswahl 2021 mit ihrem Einzug für eine Sensation gesorgt hatte, schaut es düster aus. Sie erreicht in der aktuellen Befragung nur noch ein Prozent.
Politikwissenschafter Filzmaier mahnt allerdings zur Vorsicht bei der Interpretation. Ein wichtiger Punkt: Menschen über 75 Jahre wurden für die Studie nicht befragt. Gerade in dieser Altersgruppe sei die ÖVP besonders stark, während die Grünen schwächer abschneiden.
Am grundsätzlichen Bild ändere das aber nichts. "Es ändert aber nichts daran, dass die FPÖ vorne ist", stellt Filzmaier klar. Bis zur Landtagswahl bleibt noch rund ein Jahr. Filzmaier warnt deshalb vor voreiligen Schlüssen: Um die Stimmung noch deutlich zu drehen, brauche es allerdings große politische Ereignisse.