In spanischen Feinkostläden zahlt man für 100 Gramm echten Iberico-Schinken locker 20 bis 25 Euro. Bei deutschen und österreichischen Discountern wie Aldi, Hofer oder Lidl taucht der angebliche Edelschinken hingegen schon für sechs Euro auf. Wie kann das sein?
Das Problem liegt im Kleingedruckten. Während in Spanien ein königliches Dekret die Qualitätsstufen klar regelt, werden die spanischen Fachbegriffe hierzulande oft ohne Übersetzung übernommen.
Wie "Chip" berichtet, steht die Bezeichnung "Iberico de cebo" für Stallmast mit Kraftfutter - nicht für das romantische Bild vom freilaufenden Schwein unter Korkeichen. Nur wer die spanischen Begriffe kennt, kann die wahre Qualität einschätzen.
Echte Spitzenqualität erkennt man am schwarzen Etikett mit der Aufschrift "100 % Iberico de bellota". Das bedeutet: reinrassige Iberico-Schweine, die im Freiland der Dehesa leben und während der Mastphase überwiegend Eicheln fressen.
Fehlt das "100 %" auf der Verpackung, handelt es sich meist um Kreuzungen mit der Rasse Duroc. Diese Tiere setzen schneller Fleisch an, werden aber häufig im Stall gehalten und mit Kraftfutter gemästet.
Ein wesentlicher Grund für die Verwirrung: Der Begriff "Iberico" ist EU-weit nicht geschützt - anders als etwa "Parmigiano Reggiano" oder "Prosciutto di Parma". Verbraucherschützer kritisieren diese Lücke seit Längerem.
Der Europäische Rechnungshof hat bereits strengere Kennzeichnungsregeln gefordert. Bis dahin gilt: Extrem niedrige Preise sind ein Warnsignal. Wer echten Iberico will, kommt an spezialisierten Fachhändlern kaum vorbei - und muss entsprechend tiefer in die Tasche greifen.