Es klingt wie ein TV-Krimi, war aber eine echte Gerichtsverhandlung am Bezirksgericht Fürstenfeld: Einem ehemaligen Laufhausbetreiber wurde Kokainhandel vorgeworfen. Zwei Zeugen waren geladen – einer davon ein Nachtclubbesitzer, der andere wurde aus dem Gefängnis zugeschaltet.
Der Angeklagte nahm ruhig in der ersten Reihe Platz und bestritt die Vorwürfe von Beginn an. Ihm wurde vorgeworfen, zweimal Kokain weitergegeben zu haben. Für den Ex-Laufhausbetreiber eine unverständliche Unterstellung – er wisse nicht, wie der Zeuge darauf komme.
Dieser, ein früherer Geschäftspartner, wurde aus der Justizanstalt Linz per Videokonferenz zugeschaltet. Die erwartete Belastung blieb jedoch aus. Auf die Frage, ob er eine Drogenübergabe beobachtet habe, sagte der Häftling laut der Kleinen Zeitung:
"Ich habe nie etwas gesehen."
Nach Ende der Videoschaltung erschien der zweite Zeuge, ein Nachtclubbetreiber, persönlich vor Gericht. Er räumte ein, dass es in der Szene gelegentlich Kokain gegeben habe – als "Zusatzgeschäft", um den Konsum anzukurbeln. Gleichzeitig stellte er klar: "Aber von diesem Mann", sagte er und zeigte auf den angeklagten Laufhausbetreiber, "habe ich nie etwas bekommen."
Wie es dennoch zu seiner früheren belastenden Aussage gekommen sei, erklärte der Zeuge mit massivem Polizeidruck. Bei der Einvernahme im Zuge einer Razzia seien 28 Polizisten auf ihn zugestürzt.
Das Gericht sprach den ehemaligen Laufhausbetreiber frei. Der Mann zeigte sich nur kurz erleichtert, stellte aber sofort klar: "Ich will die Fahrtkosten erstattet haben. Im Fall eines Freispruchs habe ich Anspruch darauf – das steht im Internet."