Nach außen war er Elite-Polizist, Kampfsport-Star und in einer fixen Beziehung. Hinter den Kulissen führte ein 30-jähriger Cobra-Beamter aus der Steiermark ein Doppelleben – mit tödlichem Ausgang. Seit Tagen sitzt der tatverdächtige Mann in der Justizanstalt Graz-Jakomini in Untersuchungshaft.
Der Vorwurf wiegt schwer: Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Beamte am späten Abend des 9. Jänner seine Geliebte, die 34-jährige Fitnesstrainerin Johanna G., vorsätzlich erdrosselt hat. In der Zelle beteuert er laut "Kronen Zeitung" immer wieder: "Ich bin doch kein Mörder."
Das mutmaßliche Motiv: Die Frau war schwanger. Der Cobra-Beamte lebte seit 2019 in einer fixen Partnerschaft, das ungeplante Kind soll ihn in massive Bedrängnis gebracht haben. "Freilich", sagte er dazu, "war ich über ihre Entscheidung nicht erfreut. Aber sie bedeutete kein Drama für mich. Weil mein Dasein dadurch nicht zerstört worden wäre", wird er in der "Krone" zitiert.
Johanna G. und Manuel M. wuchsen beide in behüteten Verhältnissen in der Steiermark auf. Sie lebte ihren Traum als Fitnesstrainerin, reiste viel, galt als empathisch, humorvoll und unabhängig. Er machte nach Matura und Bundesheer Karriere bei der Polizei, war erfolgreicher Judoka, dreifacher Europameister im Hapkido und Sieger der TV-Show "Ninja Warrior" im Jahr 2017.
Als Nahkampf-Instruktor bei der Cobra galt er als diszipliniert, sportlich und hilfsbereit. In seinem Heimatort heißt es bis heute: "Nein, der Mani könnte keiner Fliege etwas zuleide tun." Viele halten seine Festnahme für ein Missverständnis, heißt es im Bericht der Tageszeitung weiter.
Die vermisste Südsteirerin (34) ist tot. Die Polizei hat nach tagelanger Suche ihre Leiche gefunden. Der Tatverdächtige ist ein 30-jähriger Cobra-Polizist. Er selbst spricht von einem tragischen "Sex-Unfall". Die Chronologie des Falls:
Kaum jemand wusste von der ungewöhnlichen Vereinbarung mit seiner langjährigen Partnerin. Trotz gemeinsamer Wohnung und Zukunftsplänen waren ihm laut "Kronen Zeitung" Seitensprünge erlaubt. "Ich hatte also", so der Beamte, "einige Verhältnisse."
Anfang November lernte er über eine Dating-Plattform Johanna G. kennen. Es folgten Treffen und intime Begegnungen in ihrer Wohnung im Bezirk Leibnitz. Aus Chats geht hervor, dass sich die 34-Jährige zunehmend emotional an ihn band.
Um den Jahreswechsel blieb ihre Periode aus. Am 7. Jänner machte sie zwei Schwangerschaftstests – beide positiv. Zunächst dachte sie laut "Krone" an eine Abtreibung, doch nach einem Gespräch mit einer Psychologin am 8. Jänner entschied sie sich, das Kind zu behalten – notfalls ohne den Vater. Am selben Tag kam es zu einem heftigen Streit mit Manuel M. in einem Einkaufszentrum.
Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Polizei-Notruf: 133
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Am 9. Jänner folgten zahlreiche Anrufe und Nachrichten. Nach Dienstschluss um 19 Uhr fuhr der Beamte zu ihr. Um 21.30 Uhr schrieb Johanna G. einer Freundin: "Alles okay. Er ist bei mir daheim." Danach meldete sie sich nie wieder.
Als Freunde misstrauisch wurden, entdeckten sie ihre Wohnung unversperrt, Licht brannte, Schlüssel lagen da. Eine Vermisstenanzeige wurde erstattet. Die Polizei ortete schließlich ihr Handy – in der Nähe des Heimatorts von Manuel M.
Bei den Vernehmungen ab 11. Jänner verstrickte sich der Cobra-Beamte in Widersprüche. Einen Tag später folgte ein Teilgeständnis. Er schilderte einen angeblich einvernehmlichen Sex-Akt mit Fesselspielen auf einem abgelegenen Parkplatz. "Ich schlang meinen Uniformgurt um ihren Hals, befestigte ihn an den Nackenstützen, zog zu. Ihrer Meinung nach zu sanft, darum griff sie selbst zu, leider zu kräftig. Plötzlich lief Blut aus ihrer Nase. Ich schüttelte sie, ich gab ihr Ohrfeigen. Sie reagierte nicht. Und ich bekam die volle Panik", wird er in der "Krone" zitiert.
Im Video: Spuren im Schnee- hier lag Johannas Leiche
Plötzlich habe Johanna G. geblutet und nicht mehr reagiert. "Ich habe noch versucht, sie wiederzubeleben", schilderte er weiter. "Als ich kapierte, dass sie tot ist, war ich außerhalb meines Körpers."
Aus Angst habe er die Leiche ins Auto geladen, sei losgefahren, habe ihr Handy aus dem Fenster geworfen und sie schließlich auf einem Grundstück seiner Familie in einem Waldstück begraben. Danach habe er "heimlich geduscht", sich umgezogen und sei in seine Dienststelle gefahren, um dort zu schlafen. "Denn die Horror-Szenen von davor liefen in meinem Kopf ab. Und das ist bis jetzt so."
Bei einer Hausdurchsuchung stellten Ermittler zwei Glock-Pistolen und große Mengen Munition sicher. Eine Waffe besaß er illegal, die andere stammte von einem früheren Kollegen. "Von einem Beamten-Freund, ich habe die Pistole für ihn versteckt – um ihn zu schützen."
"Ich bin ein Polizist mit Leib und Seele, ein anständiger Mensch", sagt der Beschuldigte. Die Ermittler sehen das aber wohl anders.
Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.