Es gibt Abende, die brennen sich ein. Und manchmal nicht unbedingt aus den positivsten Gründen. Die Bambi-Gala 2025 war so ein Abend. Nicht wegen der strahlenden Preisträgerinnen und Roben wie von Cher, Lena Gercke oder Cate Blanchett. Sondern wegen Thomas Gottschalk, der frühere Titan der deutschen TV-Unterhaltung. Einst der Mann, der Samstagabende regierte. Heute? Fast schon ein Schatten seiner selbst.
Die Szene, die für Fremdscham in Reinform sorgte, hätte so nie passieren dürfen: Gottschalk steht plötzlich auf der Bühne – aber irgendwie neben sich. "Ach, ich bin schon dran?", fragt er irritiert ins Publikum. Ein Satz, der symptomatisch wirkt für einen Entertainer, der offenbar längst den Überblick verloren hat. Über den Ablauf, über seinen Text und vielleicht auch ein wenig über seine Rolle im heutigen Entertainment-Kosmos.
Was folgt, ist eine Laudatio im freien Fall: Langsames Sprechen, holpriges Suchen nach Worten, unverständliche Anekdoten, die im Nirgendwo enden. Ein Satz sticht dabei besonders unangenehm hervor: "Du bist die einzige Frau, die ich mein Leben lang ernst genommen habe." Das Publikum? Buh-Rufe. Cher? Sichtlich irritiert. Die TV-Zuschauer? Verwirrt.
Gottschalk wandert währenddessen um die 79-jährige Pop-Ikone herum, schmiegt sich an sie, greift nach ihrer Hand. Eine Szene zwischen Peinlichkeit und Grenzüberschreitung und definitiv nicht das, wofür man eine Legende ehrt.
Auf Social Media läuft die Kommentarspalte heiß. Begriffe wie "peinlich", "überfordert" und "nicht mehr zeitgemäß" fallen häufiger als "Bambi" selbst. Dazu kommen besorgte Stimmen: "Ist er krank?", "War er betrunken?" Niemand weiß es, denn Gottschalk schweigt oder schwafelt herum.
Doch man muss ehrlich sein: Dieser Auftritt reiht sich ein in eine Serie von Momenten, in denen der Moderator wirkte, als würde er in einer Welt moderieren, die es nicht mehr gibt. Eine Welt, in der Sprüche wie aus einer anderen Zeit noch als charmant galten und nicht als unpassend oder irritierend.
Thomas Gottschalk ist eine Legende. Das bleibt. Er hat TV-Geschichte geschrieben, Generationen geprägt, Millionen unterhalten. Aber genau deshalb tut es doppelt weh, ihn so zu sehen: fahrig, überfordert, fast verloren auf einer Bühne, die er einst beherrschte wie kein Zweiter.
Vielleicht ist es Zeit, sich einzugestehen: Die Bühne hat sich verändert – und Gottschalk nicht mit ihr. Und vielleicht wäre genau jetzt der richtige Moment, seinen finalen Applaus zu nehmen. Würdevoll. Groß. Mit dem Respekt, den er verdient. Bevor aus einer Legende ein Dauer-Fremdschäm-Moment wird.