Auch am Dienstag stiegen die Temperaturen im ganzen Land weiter an – wieder wurden zahlreiche Rekorde durchbrochen. Im südfranzösischen La Couronne wurden 41,3 Grad Celsius gemessen.
In der Universitätsstadt Bordeaux waren es 40,7 Grad bei nur 10 Prozent Luftfeuchtigkeit. "Es ist heuer bereits der fünfte Tag mit mehr als 40 Grad in der Stadt", meldet Meteorologe Guillaume Séchet.
Für Mittwoch wurde von Météo-France in 67 Departments des Landes Hitzewarnstufe Orange ausgegeben, für 17 weitere gilt Warnstufe Gelb.
Die Bedingungen in Bordeaux verdeutlichen aber auch ein Problem, das vielleicht noch gravierender ist als die Hitze selbst: die Böden sind inzwischen staubtrocken. "Praktisch das ganze Land ist stark betroffen, mit Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Wälder sowie auf das Risiko von Bränden", schreibt Séchet.
Gerade im Bereich der Mittelmeerregionen ist die Waldbrand-Gefahr laut Météo-France derzeit "sehr hoch" – unter anderem wegen der aufbrausenden Winde Tramontane und Mistral.
Für die kommenden Tage wird für weite Teile Frankreichs eine Fortsetzung der brütenden Hitze vorhergesagt – und in der kommenden Woche könnte es noch viel schlimmer kommen. Besonders das amerikanische GFS-Modell besorgt derzeit die Beobachter. Es zeigt für Montag und Dienstag (13./14. Juli) Werte zwischen 40 und 44 Grad in Westfrankreich, insbesondere zwischen dem bretonischen Hinterland, der Region Pays de la Loire und Centre-Ost.
Eine GFS-Karte für Dienstagabend zeigt sogar Spitzen von 47 (!) Grad im Herzen Frankreichs an: "Die anvisierten Werte übersteigen jede Vorstellungskraft. Lassen Sie uns inständig hoffen, dass das Modell sich irrt", ist selbst der erfahrene Meteorologe Séchet geschockt.
"Sollten sich solche Temperaturen bestätigen, wären sie für Regionen, die normalerweise vom Ozean beeinflusst werden, schlichtweg atemberaubend", schreiben seine Kollegen von Meteo-Paris. Sie betonen: "Es handelt sich hierbei um ein unbestätigtes Modellszenario. Doch allein die Tatsache, dass ein Wettermodell solche Temperaturen für Westfrankreich vorhersagt, verdeutlicht, wie außergewöhnlich die aktuelle Luftmasse."
Die Hitzeglocke der Sahara reicht bereits bis ins Loiretal im Norden. Eine Kaltfront über der Biskaya könnte die Situation noch deutlich verschärfen. Kommt sie westlich von Frankreich zu liegen, könnte das eine starke südliche Strömung erzeugen und heiße Wüstenluft ansaugen.
Die Luftmasse in 850 hPa, etwa 1500 Metern Höhe, könnte dann laut Meteo-Paris Temperaturen von nahezu 28 bis 30 Grad erreichen – ein enormer Wert: "Unter diesen Bedingungen könnte die Erwärmung am Boden explosionsartig ansteigen, wenn die Sonne weiterhin stark scheint und Gewitter den Temperaturanstieg nicht begrenzen. Dieser Mechanismus erklärt, warum in bestimmten Szenarien solch extreme Werte auftreten können".
Die Fachleute von Météo-France betonen: "Die Anzahl der Hitzewellen beschleunigt sich seit den 2000er Jahren. Dies ist eine der Folgen des Klimawandels. Von den 53 Hitzewellen in Frankreich seit 1947 haben mehr als die Hälfte nach 2010 stattgefunden."
Geht die Erderwärmung in diesem Tempo weiter, droht Frankreich schon im Jahr 2050 ein Temperaturplus von 2,7 Grad gegenüber vorindustriellem Niveau. 2100 würden dann +4 Grad erreicht. Das hat enorme Auswirkungen:
Schon bei +2,7 Grad könnten Hitzewellen über einen längeren Zeitraum auftreten, wobei einige bereits Anfang Juni beginnen und andere bis Mitte September. "Bis zum Jahr 2100 könnten Hitzewellen bis zu zwei Monate ununterbrochen andauern", mahnt Météo-France.