Weltreise endet abrupt

"Ich bin der Bösewicht" – Kreuzfahrt-Gründer packt aus

Für 203 Passagiere der "MV Odyssey" ist der Traum vom Leben auf See geplatzt. Der Gründer spricht zur Finanzkrise und einer drohenden Liquidierung.
31.10.2026, 22:45
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Sie wollten jahrelang auf einem Kreuzfahrtschiff um die Welt reisen, manche verkauften dafür sogar ihr Haus. Doch für 203 Passagiere der "Odyssey" endete der Traum vom Leben auf See abrupt in Kambodscha.

Hinter dem Projekt steht das Unternehmen Villa Vie Residences, das seinen Kunden ein langfristiges Leben auf einem Kreuzfahrtschiff ermöglichen wollte. Einige Passagiere hatten ihre Häuser verkauft, um sich eine Kabine leisten zu können. Nun ist unklar, ob und wie viel Geld sie zurückbekommen.

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"Ich fühle mich schrecklich"

Firmengründer und Executive Chairman Mikael Petterson äußerte sich gegenüber "Business Insider" zur finanziellen Krise seines Unternehmens. "Ich fühle mich schrecklich", sagte er im Telefoninterview mit den Journalisten Jacob Shamsian und Jack Newsham.

Petterson ist sich bewusst, dass viele Bewohner ihn für das Scheitern ihrer Pläne verantwortlich machen. "Ich bin der Bösewicht in der Geschichte, aber ich tue alles, was ich kann, um die Bewohner bei einer Lösung zu unterstützen", erklärte er.

Die Passagiere hätten darauf vertraut, dass er das Unternehmen durch schwierige Zeiten führen könne. "Sie zählen darauf, dass ich hier die Entscheidungen treffe, und auf nichts anderes konzentriere ich mich." Doch die finanziellen Probleme von Villa Vie Residences hatten sich nach Darstellung des Gründers zunehmend verschärft.

Treibstoffpreise schießen in die Höhe

Als Hauptgrund für die Krise nennt Petterson den Irankrieg und die dadurch stark gestiegenen Treibstoffkosten. Die "Odyssey" wird mit Marine Gas Oil (MGO) betrieben. Normalerweise habe das Unternehmen dafür zwischen 600 und 700 US-Dollar pro Tonne bezahlt. Im März stieg der Preis für diesen Schiffstreibstoff in Singapur laut Daten des Branchenmediums Ship & Bunker zeitweise auf fast 2.000 Dollar pro Tonne.

Für Villa Vie bedeutete das nach Angaben des Gründers eine massive zusätzliche finanzielle Belastung. "Ich glaube, uns wäre es absolut gut gegangen und wir hätten das durchgestanden, wenn es keinen Irankrieg gegeben hätte", sagte Petterson.

Dabei war die Anfangsphase des Projekts schon zuvor schwierig gewesen. Die ersten eineinhalb Jahre auf See bezeichnete er als "riesige Herausforderung". Ursprünglich hatte das Unternehmen einen Finanzplan erstellt, nach dem Villa Vie spätestens im zweiten Quartal 2026 profitabel werden sollte.

Bewohner wollten ihre Kabinen verkaufen

Einige Passagiere reagierten laut Petterson zunehmend verunsichert auf die Änderungen. Sie seien "verängstigt" gewesen und hätten versucht, ihre Kabinen zu verkaufen. Damit entstand für Villa Vie ein weiteres Problem: Während das Unternehmen selbst noch freie Kabinen vermarkten wollte, boten plötzlich auch bestehende Bewohner ihre Plätze zum Verkauf an.

Hinzu kamen negative Berichte in sozialen Medien. Diese hätten es nach Darstellung des Firmengründers zusätzlich erschwert, neue Kunden zu gewinnen. Die finanziellen Schwierigkeiten verschärften sich damit weiter.

Rettungsversuche scheitern

Noch kurz vor dem abrupten Ende der Reise versuchte Petterson, einen neuen Geldgeber zu finden. Nach seinen Angaben führte Villa Vie Gespräche mit Oneil Khosa, dem früheren Chef der Kreuzfahrtlinie Margaritaville at Sea.

Khosa sollte frisches Kapital bereitstellen und als operativer Partner in das Unternehmen einsteigen. Eine Einigung kam jedoch nicht zustande. Auch ein anderer Rettungsversuch scheiterte: Einige Passagiere hatten überlegt, die "Odyssey" selbst zu kaufen. Dieser Plan ließ sich ebenfalls nicht verwirklichen.

Jetzt droht Liquidierung

Das Kreuzfahrtschiff soll vorerst stillgelegt und gesichert werden. Währenddessen sucht Petterson weiter nach einer Lösung für das Unternehmen und die betroffenen Bewohner.

Zwei Möglichkeiten stehen nach seinen Angaben im Raum. Villa Vie könnte eine gerichtlich überwachte Restrukturierung durchlaufen. Dabei würde die bisherige Unternehmensführung die Kontrolle behalten. Die andere Möglichkeit wäre eine Liquidierung des Unternehmens.

Für die 203 Passagiere bleibt damit vieles offen. Ob sie ihre Kabinen jemals wieder beziehen können oder zumindest einen Teil ihres Geldes zurückerhalten, ist derzeit ungewiss.

red, 31.10.2026, 22:45
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