Die Weltpolitik lässt die Finanzmärkte derzeit nicht zur Ruhe kommen. Krieg im Nahen Osten, Handelskonflikte und politische Machtspiele sorgen für Nervosität – auch bei Anlegern, die auf ETF-Indizes wie den MSCI World als Altersvorsorge setzen.
Lange Zeit galt die Faustregel: Rücksetzer an der Börse sind meist nur von kurzer Dauer. Doch jetzt mehren sich warnende Stimmen. US-Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz spricht im "Handelsblatt" sogar davon, dass "Donald Trump eine Handgranate auf die Wirtschaft geworfen" habe. Die Unsicherheit habe eine "völlig neue Dimension" angenommen.
Das schadet auch den USA selbst. Der Arbeitsmarkt stagniert, BIP und Börsen-Indizes werden inzwischen hauptsächlich vom KI-Boom – viele fürchten eine Blase – in die Höhe getrieben. Der Rest der Wirtschaft leidet unter dem Zollchaos und anderen Trumpismen.
Auch große Banken werden vorsichtiger. Experten warnen, dass steigende Energiepreise durch den Konflikt im Nahen Osten die Wirtschaft weltweit bremsen könnten. Die Folge: schwächere Nachfrage, Druck auf Unternehmen – und damit auch auf Aktienkurse.
Wertpapierstratege Stephan Kemper von der französischen Großbank BNP Paribas ist inzwischen von einem positiven Ausblick abgekommen und stuft die Aktienmärkte inzwischen als "neutral" ein, Europa sogar als "negativ".
Ein Blick auf die Zahlen zeigt aber: Rückschläge gehören dazu. Langfristig brachte der MSCI World seit 1970 allerdings rund 7,7 Prozent positive Rendite pro Jahr. In den vergangenen zehn Jahren lag die Performance mit etwa 11,7 Prozent deutlich darüber. Heißt auch: Eine längere Schwächephase wäre historisch gesehen keine Überraschung.
Für deine Altersvorsorge ist das aber nicht automatisch schlecht. Wer regelmäßig in einen Sparplan investiert, profitiert sogar von fallenden Kursen. Sinkt der Index um zehn Prozent, bekommst du für denselben Betrag mehr Anteile – und bist bei einer Erholung im Vorteil.
Anders sieht es bei Einmalinvestments aus: Hier schlagen Kursverluste direkt durch. Deshalb gilt: Aktien nur mit langem Atem. Fünf bis zehn Jahre Anlagehorizont sollten es mindestens sein.
Historische Auswertungen zeigen zudem, dass die meisten Verluste schneller aufgeholt sind, als viele denken. "In den meisten Fällen war der Verlust verblüffend kurz", wird Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege des Vermögensverwalters HQ Trust, durch den "Standard" zitiert.
In neun von zehn Fällen war ein globales Investment binnen eines Monats wieder im Plus. Nur in seltenen Krisen – etwa nach dem Platzen der Dotcom-Blase – dauerte es mehrere Jahre.
Auch wenn die geopolitische Lage in Nahost derzeit ernst ist: Für langfristige Anleger bleibt die wichtigste Regel dieselbe – ruhig bleiben und investiert bleiben.