Nach dem geplanten Verbot von Burka und Nikab in italienischen Schulen will die Regierung von Giorgia Meloni auch die Zusammensetzung der Klassen verändern. Künftig soll gesetzlich festgelegt werden, wie viele ausländische Schüler maximal in einer Klasse sitzen dürfen. Meloni kündigte die entsprechende Regelung am Sonntag bei einer Veranstaltung der Jugendorganisation ihrer Partei Fratelli d'Italia an, erklärte: "Es kann nicht sein, dass sich italienische Kinder in einer italienischen Klasse an den Rand gedrängt fühlen, weil sie zur Minderheit geworden sind." Ein konkreter Prozentsatz war zunächst nicht Teil der Ankündigung.
Ganz neu ist die Idee allerdings nicht. In Italien gibt es bereits seit 2010 eine Vorgabe, wonach grundsätzlich höchstens 30 Prozent der Schüler einer Klasse keine italienische Staatsbürgerschaft haben sollen. Diese Regel wurde in der Praxis allerdings immer wieder ausgesetzt oder nicht umgesetzt, wenn die örtlichen Gegebenheiten dagegen sprachen. Bildungsminister Giuseppe Valditara hatte bereits Anfang September angekündigt, die bisherige Regel mit einem Gesetz verbindlicher machen zu wollen.
Nun soll aus der bisherigen Vorgabe eine gesetzliche Regelung werden. Wie genau die neue Obergrenze aussehen und welche Ausnahmen es geben wird, ist noch offen. Meloni sprach lediglich von einem gesetzlichen Höchstwert für ausländische Schüler pro Klasse. Die Regierung will die entsprechenden Maßnahmen dem Ministerrat vorlegen.
Dabei geht es um eine beträchtliche Zahl von Kindern und Jugendlichen. Nach aktuellen Angaben von RaiNews und ANSA besuchen rund 930.000 Schüler ohne italienische Staatsbürgerschaft in Italien Kindergarten, Schule oder weiterführende Schulen. Das entspricht rund 11,6 Prozent aller Schüler. Bemerkenswert ist dabei, dass rund 65,2 Prozent dieser Schüler bereits in Italien geboren wurden.
Die Verteilung ist regional sehr unterschiedlich. Mehr als ein Viertel der ausländischen Schüler lebt beziehungsweise lernt in der Lombardei. Dort sind es laut den aktuellen Zahlen rund 236.000 Kinder und Jugendliche. Danach folgen Emilia-Romagna, Venetien, Latium und Piemont. Gerade in Regionen und Stadtteilen mit einem hohen Anteil ausländischer Familien stellt sich deshalb die Frage, wie eine starre Obergrenze praktisch umgesetzt werden soll.
Der Präsident des italienischen Schulleiterverbands ANP, Antonello Giannelli, hält die Frage aus pädagogischer Sicht für nachvollziehbar, sieht bei der Umsetzung aber erhebliche Schwierigkeiten. Vor allem in Kindergärten und Volksschulen würden Kinder häufig nach dem Kriterium der Wohnortnähe aufgenommen. Wenn in einem bestimmten Viertel besonders viele ausländische Familien leben, könne eine Schule diese Kinder nicht einfach ablehnen, nur um einen bestimmten Prozentsatz einzuhalten, argumentiert Giannelli.
Genau deshalb war die 30-Prozent-Vorgabe aus dem Jahr 2010 bislang nur eingeschränkt wirksam. Valditara erklärte bereits vor Melonis neuer Ankündigung, das Limit sei zwar vorgesehen, aber nie konsequent umgesetzt worden. Mit einer gesetzlichen Regelung sollen die regionalen Schulbehörden künftig stärker koordinieren und Schüler gegebenenfalls auf verschiedene Klassen oder Schulen verteilen. Gleichzeitig betonte der Minister, dass Kinder nicht wegen der Quote an Schulen weit entfernt von ihrem Wohnort geschickt werden sollten.
Neben der Obergrenze kündigte Meloni noch eine weitere Maßnahme an, die Familien unmittelbar betreffen könnte. Eltern ausländischer Schüler, bei denen es laut Regierung erhebliche Probleme bei der schulischen Integration gibt, sollen künftig Italienisch lernen müssen. Auch hier sind die konkreten Voraussetzungen und die Umsetzung noch nicht bekannt.
Die beiden Vorhaben sind Teil eines größeren Maßnahmenpakets für Schulen und Integration. Dazu gehört auch das angekündigte Verbot von Burka und Nikab in Schulen. Meloni begründet die geplanten Änderungen mit besserer sprachlicher und gesellschaftlicher Integration. Über die konkrete Ausgestaltung muss die Regierung allerdings erst noch entscheiden.