Angesichts der zunehmenden Zahl tödlicher Bärenangriffe in Japan darf die Polizei ab sofort mit Gewehren auf die Tiere schießen. Erst in der Vorwoche entsendete die Regierung zur Bekämpfung der Bären das Militär in die besonders betroffenen Provinzen Akita und Iwate im Norden des Landes.
Dort fanden am Donnerstag Zeremonien für den Gewehreinsatz bei der Polizei statt. Denn um die Polizisten mit den Waffen ausrüsten zu können, mussten extra die strengen japanischen Waffengesetze geändert werden.
In Medienberichten war zuvor kritisiert worden, dass die von der japanischen Polizei genutzten Handfeuerwaffen im Kampf gegen Bären weitgehend nutzlos seien. Seit April wurden in Japan 13 Menschen durch Bärenangriffe getötet, das ist ein neuer Höchststand seit Einführung der Statistik im Jahr 2006. Bisher lag der Höchststand bei fünf Todesopfern im Steuerjahr 2023/24.
Erst vor kurzem wurde bestätigt, dass ein rund 70-jähriger Mann, dessen Leiche vorige Woche in einem Wald in der nördlichen Präfektur Iwate gefunden wurde, von einem Bären getötet worden ist. Über 100 Menschen wurden in diesem Jahr bereits durch Bären verletzt.
Seit einigen Jahren kommt es in Japan vermehrt zu Begegnungen zwischen Bären und Menschen, mitunter wagen sich die Tiere sogar in Wohngebiete vor. Als Gründe gelten unter anderem der Klimawandel, der sich auf die Nahrungsquellen der Bären auswirkt, und die zunehmende Entvölkerung ländlicher Gebiete.
Bären haben bereits Touristen angegriffen, sind in Geschäfte eingedrungen und in der Nähe von Schulen gesichtet worden. Inzwischen werden fast täglich Vorfälle mit Bären gemeldet. Vor wenigen Wochen hat sich ein 1,40 Meter großer Bär in einen Supermarkt in Gunma, in der Nähe von Tokio, verirrt. Er ist zwischen den Regalen herumgelaufen und hat 30 bis 40 Kunden, die gerade einkaufen waren, in Angst und Schrecken versetzt.
Laut den örtlichen Behörden hat das Tier zwei ältere Männer leicht verletzt. Der Bär war etwa vier Minuten im Geschäft. "Er kletterte fast auf die Fischtheke und beschädigte die Scheibe. In der Obst- und Gemüseabteilung warf er einen Haufen Avocados um und zertrampelte sie", schilderte der Filialleiter.
In Japan leben zwei Bärenarten: der Asiatische Schwarzbär oder Kragenbär sowie der größere Braunbär. Braunbären können eine halbe Tonne wiegen und schneller laufen als Menschen. Jedes Jahr werden tausende Tiere abgeschossen, aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung gibt es in Japan jedoch immer weniger Jäger.