Bis zum Jahr 2008, als er sich schuldig bekannte, eine Minderjährige zur Prostitution gezwungen zu haben, hatte er bereits ein enormes Netzwerk von mächtigen Freunden aufgebaut. Viele hielten den Kontakt zu Jeffrey Epstein auch nach dessen erster Verurteilung im Skandal um sexuelle Gewalt gegen unzählige Mädchen und junge Frauen. Das zeigen Dokumente zur Kommunikation mit dem Milliardär, die in dieser Woche ans Licht gekommen sind.
Die am Mittwoch vom Kontrollausschuss im US-Repräsentantenhaus veröffentlichten Unterlagen geben einen Einblick in die Beziehungen von Epstein zu Unternehmern, Politikern, Reportern und Wissenschaftlern. Sie stammen aus der Zeit von 2009 bis 2019 – der Austausch von Nachrichten reicht damit von kurz nach dem Ende seiner ersten Haftstrafe bis wenige Monate vor der erneuten Festnahme und dem anschließenden Suizid in einer Gefängniszelle.
Die neu veröffentlichten E-Mails zeigen auch, wie vielschichtig das Netzwerk von Epstein war – er kommunizierte mit dem liberalen Akademiker Noam Chomsky ebenso wie mit Steve Bannon, dem langjährigen Vertrauten von US-Präsident Donald Trump. Die Dokumente sind für diese Personen nicht juristisch belastend. Es wird aber deutlich, dass Epstein auch als verurteilter Sexualstraftäter weiter über großen Einfluss bis in die höchsten Kreise von Wirtschaft und Politik verfügte.
Die ausgetauschten Nachrichten sind oft kurz und abgehackt. Viele sind voller Rechtschreib- und Grammatikfehler. Manche der Freunde bitten Epstein um Rat in Bezug auf Gerichtsverfahren, andere hoffen auf eine Vermittlung von Kontakten, wieder andere fragen ihn schlicht nach seiner Meinung – ob zu Dates mit Frauen oder zur Ölpreisentwicklung.
Epstein hatte sich auch mehrfach negativ über Trump ausgelassen. Kathryn Ruemmler, die unter Barack Obama Beraterin im Weißen Haus war, bezeichnete den Republikaner in einer E-Mail als "ordinär". In seiner Antwort schrieb Epstein, dieser sei "in Wirklichkeit und aus nächster Nähe noch schlimmer".
Für Aufsehen sorgt auch ein E-Mail-Verkehr zwischen Jeffrey Epstein und seinem Bruder Mark. Zu lesen ist, dass Jeffrey seinen Bruder offenbar dazu aufforderte, bei dem ehemaligen Chefstrategen des Weißen Hauses, Steve Bannon, nachzufragen, ob "Putin die Fotos von Trump hat, wie er Bubba einen bläst". In den sozialen Medien sind daraufhin wilde Spekulationen losgegangen, wer denn "Bubba" ist. Einige vermuten dahinter den Ex-US-Präsidenten Bill Clinton. Doch bestätigt werden konnte das nicht.
Die Faktencheck-Plattform Snopes schreibt, man habe die Echtheit durch eine unabhängige Prüfung der vom Ausschuss veröffentlichten Epstein-Files bestätigen können.