Der Druck auf US-Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wächst: Kürzlich veröffentlichte E-Mails legen nahe, dass der US-Präsident deutlich mehr von den Missbrauchsfällen wusste, als er behauptet: In einer Nachricht beschreibt Epstein den jetzigen US-Präsidenten als "Hund, der nicht gebellt hat".
Die gleichen Mails legen auch nahe, dass Epstein der russischen Regierung nahestehenden Personen während Trumps erster Amtszeit auch angeboten hatte, Informationen über den US-Präsidenten weiterzugeben. Dies berichtet "Politico" auf Basis der mehreren hundert E-Mails, die am Mittwoch von Ermittlern des US-Kongresses veröffentlicht wurden.
In den Nachrichten aus dem Jahr 2018 bot der Multimillionär der russischen Regierung demnach an, ihnen Einblick in Trumps Funktions- und Denkweise zu geben. Obwohl der US-Präsident dies seit Bekanntwerden der Taten von Epstein und seinen Mittätern abstreitet, gelten Trump und der Finanzier seit langer Zeit als gute Freunde.
"Ich glaube, Sie könnten Putin ein Treffen zwischen mir und [dem russischen Außenminister] Lawrow vorschlagen, um Einblick zu gewinnen", schrieb Epstein im Juni 2018 vor einem Treffen zwischen Trump und Putin an den damaligen Europarat-Vorsitzenden Thorbjørn Jagland. Dieser soll daraufhin ein Treffen zwischen Epstein und Lawrow vorgeschlagen haben – ob es je dazu kam, ist unklar.
Weiter lässt Epstein in den Nachrichten verlauten, dass er in der Vergangenheit auch bereits mit Witali Schurkin, damals Russland-Vertreter bei den Vereinten Nationen, über Trump gesprochen habe. "Schurkin war großartig, er hat Trump nach unseren Gesprächen verstanden: Er muss gesehen werden, um etwas zu bekommen, so einfach ist das", so Epstein in einer der Nachrichten.
Nach dem Treffen im Jahr 2018 waren viele westliche Experten und Politiker der Ansicht, dass Trump sich von Wladimir Putin um den Finger wickeln ließ und russische Standpunkte vertrat. Ob dies direkt mit Epsteins Kreml-Connections zusammenhing, dazu blieb der Finanzier in den Mails vage: "Haben die Russen Zeug gegen Trump in der Hand? Heute war schrecklich, sogar für seine Standards", schrieb der ehemalige Clinton-Sekretär Larry Summers nach dem Gipfeltreffen an Epstein.
"Mein Mail-Postfach ist voll mit ähnlichen Kommentaren, wow", so der Sexualstraftäter in seiner Antwort an Summers. "Aus seiner Sicht ist es bestimmt super gelaufen. Er denkt, er hat seinen Gegner mit Charme für sich gewonnen. Zugegeben hat er keine Ahnung von der Symbolkraft. Er hat keine Ahnung von den meisten Dingen", so Epstein in der Nachricht aus dem Jahr 2018.
Weiter nennt er Trumps Auftritt am Gipfeltreffen "vorhersehbar" – ob sich der US-Präsident so verhielt, weil der Kreml Druckmittel gegen ihn in der Hand hat, darauf ging Epstein aber nicht weiter ein. In der Vergangenheit gab es sogar bereits Spekulationen, wonach Trump vor Jahrzehnten vom KGB rekrutiert worden und seither im Dienste Russlands stehen soll.
Das Weiße Haus weist sämtliche Vorwürfe zurück: Die E-Mails würden nichts beweisen, "außer dass Präsident Trump nichts falsch gemacht hat", sagte Pressesprecherin Karoline Leavitt am Mittwoch. Später postete Trump auf seiner Truth-Social-Plattform, dass es sich um einen neuen Versuch der Demokraten handle, den "Epstein-Hoax" wieder zu thematisieren, um vom Shutdown abzulenken.
Tatsächlich hatte Trump im Wahlkampf stets versprochen, dass man die Epstein-Files veröffentlichen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen werde. Medienwirksam wurden dafür zu Beginn seiner zweiten Amtszeit Dokumente, bei denen es sich laut der Regierung um die Liste handeln soll, an rechte Influencer verteilt.
Seither hat Trump den Kurs geändert und spricht nun vom "Epstein-Hoax". Derweil verdichten sich die Anzeichen, dass der US-Präsident deutlich mehr mit Epstein zu tun hatte, als er bislang einräumte, und wohl auch von dessen Taten wusste. Im US-Kongress laufen Bemühungen, um die Regierung zur Herausgabe aller Dokumente zu verpflichten.