Lehrerin schlägt Alarm

Zu wenig Deutsch! "Jeder 4. Erstklässler bleibt sitzen"

Eine Wiener Pädagogin berichtet von dramatischen Zuständen an ihrer Schule. Viele Erstklässler müssen wegen fehlender Deutschkenntnisse wiederholen.
Österreich Heute
02.07.2026, 05:45
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Am Freitag starten die Sommerferien in Ostösterreich. Die Zeugnisse werden verteilt, für viele Kinder ist klar: Sie kommen nicht in die nächste Schulstufe.

Sophie, eine engagierte Lehrerin, kämpft täglich um die Bildung ihrer jungen Schüler. Die 26-Jährige (sie will anonym bleiben) erzählt von der bitteren Realität in ihrer Schule nahe dem Wiener Gürtel.

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Dramatische Lage an dieser Schule

"In der ersten Schulstufe wird mehr als ein Viertel aller Schüler die Klasse wiederholen müssen. Grund sind die fehlenden Deutschkenntnisse", sagt sie.

Dabei handelt es sich um sogenannte außerordentliche Schüler. Das sind Kinder, die noch nicht ausreichend Deutsch sprechen, um dem Unterricht folgen zu können.

Viele Kinder in Österreich geboren

Besonders bemerkenswert: "Etwa die Hälfte dieser Kinder wurde in Österreich geboren, sie kommen alle aus bildungsfernen Familien, auch die Eltern sprechen kaum Deutsch", erzählt die Pädagogin. Im gesamten Schulgebäude hätten nicht einmal ein Dutzend Kinder Deutsch als Muttersprache.

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Sophie unterrichtet eine dritte Klasse, in der bereits ein Drittel der Kinder eine Klasse wiederholt hat. "Das ist normal an unserer Schule", sagt sie.

Der unterschiedliche Entwicklungsstand erschwert den Unterricht zusätzlich. "Die einen, die das richtige Alter haben, sind noch infantil, die Älteren sind groß und reif – das macht es sehr schlimm, die sind nicht kompatibel."

„Einfache Aufgabenstellungen muss ich jedes Mal neu erklären“
SophiePädagogin an einer "Brennpunktschule"

Auch beim Lesen gebe es große Probleme. "Die Kinder sind so sehr auf die Buchstaben fokussiert, dass der Sinn nicht verstanden wird. Selbst einfache Aufgabenstellungen wie 'unterstreiche', 'markiere' oder 'schreib' muss ich jedes Mal erklären."

Deutschförderung zeigt Wirkung

Trotz der schwierigen Situation sieht die Lehrerin auch positive Entwicklungen. Die zusätzliche Deutschförderung mit rund zehn Wochenstunden verbessert das Sprachniveau. Und: "Früher sind noch mehr Kinder in der ersten Klasse sitzen geblieben."

Diese "Brennpunktschule" ist laut "Heute"-Recherchen kein Einzelfall. Aus der Wiener Bildungsdirektion heißt es, dass im vergangenen Schuljahr rund 5.500 Volksschulkinder eine Schulstufe wiederholt haben. Das entspricht etwa 7,6 Prozent aller Primarschüler.

Die Bildungsdirektion betont jedoch, dass das Wiederholen einer Klasse "in manchen Fällen eine gezielte pädagogische Maßnahme" sei, um den Lernerfolg zu sichern. Es sei daher nicht automatisch negativ zu bewerten.

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