Großes Problem

"Kann was nicht stimmen"! Milch-Boss hat üblen Verdacht

Sinkende Preise setzen Österreichs Milchbauern unter Druck. Molkereien warnen vor einer existenziellen Krise.
Newsdesk Heute
14.04.2026, 21:28
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Nicht nur die Erdäpfel stecken tief in der Krise, auch die Lage für heimische Milchbauern spitzt sich zu. Der Milchpreis steht massiv unter Druck – und das trifft viele Betriebe hart. Laut Molkereien reicht das aktuelle Preisniveau oft nicht mehr aus, um die steigenden Kosten zu decken. Vor allem Energie, Futter und Betriebsmittel sind deutlich teurer geworden. Gleichzeitig bekommen die Bauern für ihre Milch weniger Geld.

Erhielt ein Betrieb für den Liter im Schnitt noch 54 Cent, sind es jetzt weniger als 46 Cent. Supermärkte kassieren von ihren Kunden allerdings meist zwischen 1 und 2 Euro pro Milchpackerl. Helmut Petschar, Präsident des Milchverbandes und Chef der Kärntnermilch, spricht von einer "existenzbedrohenden Einkommenslage" der heimischen Landwirte. Das könnte das ohnehin grassierende Bauernsterben noch weiter beschleunigen.

Nichts in Butter

Butter sieht Petschar als Parade-Beispiel für Wertevernichtung. Der "Standard" rechnet vor: Vor 18 Jahren gab's das günstigste Packerl um 99 Cent, 2025 nicht unter 2,49 Euro. Inzwischen ist der Preis beim Einzelhändler wieder abgeschmiert. Aber: die konsumierte Menge der Österreicher hat sich über Jahrzehnte kaum verändert. Im Schnitt sind es 5 Kilo pro Kopf und Jahr. Pro Kilo Butter werden etwa 20 Liter Milch benötigt.

In Österreich fristen rund eine halbe Million Kühe ihr Dasein im Dienste der Milchproduktion. Durchschnittlich 26 Rinder sind es pro Betrieb, die aber doppelt so Milch liefern wie noch vor 50 Jahren. Ab 2030 ist die kritische Anbindehaltung in Österreich verboten.

Für den Branchenvertreter ist deshalb "unverständlich", wieso Milchprodukte in den Fokus von Preisdebatten geraten. Nur rund 1,5 Prozent ihres Einkommens würden österreichische Haushalte dafür ausgeben. Milch sei deshalb wohl kaum ein Inflationstreiber.

Kosten, Kosten, Kosten

Zusätzlichen Kostendruck befürchtet Petschar ab Juli durch die Halbierung der Mehrwertsteuer für Milch, Butter und Joghurt. Die Plastiksteuer als Gegenfinanzierung würde nach seiner Rechnung die Milchwirtschaft mit 15 bis 20 Millionen Euro zusätzlich belasten. "Kein Tag vergeht ohne Kostensteigerung", sagt er.

Die Lösung (für die Milchbauern)? "Wir brauchen vom Handel höhere Preise", sagt er mit Blick auf die höheren Margen heimischer Supermärkte im Vergleich zu jenen in Deutschland. "Kostet eine Stunde Parken in Wien mehr als ein Packerl Butter, kann was nicht stimmen."

Tunlichst vermeiden sollen die Märkte Rabattaktionen: "Die Österreicher wurden zu Schnäppchenjägern erzogen", so der Kärntnermilch-Chef. Er appelliert an die Handelsketten, bei Grundnahrungsmitteln auf Kampfpreise zu verzichten.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 14.04.2026, 21:38, 14.04.2026, 21:28
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