Ein deutliches Zeichen für Zusammenhalt und Dialog haben Kirchen und Religionsgemeinschaften am Sonntag (8.3.) in Wien gesetzt. Vertreter von zehn Religionsgemeinschaften unterzeichneten auf dem Gelände des "Campus der Religionen" in der Wiener Donaustadt die "Wiener Erklärung – Religionen für den Frieden".
In dem Dokument wird festgehalten, dass sie sich aus dem Glauben als "kraftvolle Basis" heraus gemeinsam für den Frieden einsetzen wollen. Zugleich verurteilen die Religionsvertreter jeden "Missbrauch von Religion zur Anstiftung oder Rechtfertigung von Terror und Gewalt" sowie jede "Diskriminierung und Bedrohung religiösen Lebens".
Die Religionsgemeinschaften verpflichten sich außerdem, das gegenseitige Verständnis innerhalb ihrer Gemeinschaften zu stärken. "Wir appellieren an unsere Gemeinden und an alle Menschen, die in Wien leben, sich unermüdlich für den Erhalt des friedlichen und respektvollen Miteinanders in unserer Stadt einzusetzen", heißt es in der Erklärung.
Der Wiener Bischofsvikar Dariusz Schutzki betonte die Bedeutung der Erklärung über Österreich hinaus. Sie sei ein "großartiges Zeichen des Friedens, des Miteinanders, der Toleranz und des Respekts". Zugleich sei sie "ein Zeichen für die ganze Welt", dass es auch in einer Zeit der Spaltung, Kriege und Orientierungslosigkeit möglich sei, Frieden, Toleranz, Dialog und Respekt als "wahre Fundamente unserer Zeit und unserer Welt" in den Mittelpunkt zu stellen.
Das Dokument war bereits im Vorjahr von Kardinal Christoph Schönborn, Oberrabbiner Jaron Engelmayer und dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Ümit Vural, unterzeichnet worden. Nun schlossen sich weitere Religionsgemeinschaften bei einem feierlichen Akt auf dem Gelände des Campus in Wien an. Damit wollten sie ein "gemeinsames Zeichen für ein friedvolles, konstruktives und respektvolles Miteinander" setzen. Im Anschluss wurde das Dokument als Zeitkapsel in den Eckstein des im Bau befindlichen "Campus der Religionen" eingelassen.
Unterzeichnet wurde die Erklärung von Oberrabbiner Jaron Engelmayer, dem evangelisch-lutherischen Superintendenten Matthias Geist, Walter Hessler von der Neuapostolischen Kirche in Österreich, Gursharan Singh Mangat von der Sikh Gemeinde Österreich, Sunil Narula von der Hindugemeinschaft Österreich, Archimandrit Ilias Papadopoulos vom Ökumenischen Patriarchat Metropolis von Austria, dem evangelisch-methodistischen Superintendenten Stefan Schröckenfuchs, Bischofsvikar Dariusz Schutzki, Imam Ermin Sehic von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Gerhard Weissgrab von der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft sowie Harald Gnilsen vom Verein Campus der Religionen.