"Stehe vor dem Nichts"

Kein AMS-Geld – Ukrainer nach Flucht völlig verzweifelt

Den Kriegsgräueln in seiner Heimat entkam Vitalii, in Österreich begann er sofort zu arbeiten. Doch nun muss er auch hier ums Überleben kämpfen.
Michael Pollak
25.02.2026, 05:15
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Vor genau vier Jahren (am 24. Februar 2022) begann der Angriffskrieg russischer Truppen auf die Ukraine. Hoffnung auf ein baldiges Ende gibt es kaum, Hunderttausende Menschen haben ihr Leben verloren.

Von den Millionen Menschen, die vor dem Krieg flüchteten, landeten knapp 90.000 in Österreich. Einer von ihnen ist Vitalii Z. Der Akademiker lebt jetzt in Graz, hier fanden er, seine Frau und ihr gemeinsamer Sohn (4) ein neues Zuhause. Doch nun plagen den 33-Jährigen schlimme Existenzängste.

Seit er in Österreich ankam, war für ihn klar: "Wir wollen nicht von Sozialleistungen leben." Sein Plan war, sich so schnell wie möglich zu integrieren, "ich habe sofort begonnen, Deutsch zu lernen, erreichte das Niveau A2 und suchte aktiv nach Arbeit. Mein Ziel war klar: arbeiten, Steuern zahlen, unabhängig sein."

Der studierte Logistiker und ehemalige Unternehmer nahm als Job, was er bekam, und wurde Fahrer bei einem Paketdienst. Das mutierte für ihn jetzt zum Albtraum: "Was zunächst wie eine Chance auf Integration und Stabilität aussah, entpuppte sich als riskantes Konstrukt aus Auftraggebern, Subunternehmern und administrativen Zwischenfirmen."

Erzähle uns deine Story!

Wurde dir eine Beihilfe gestrichen? Kannst du dir das Leben kaum mehr leisten? Ist dir gerade etwas besonders Trauriges, Witziges oder Erstaunliches geschehen? Bewegt dich ein anderes Thema? Bist du der Meinung, dass deine Geschichte erzählt werden sollte? Dann melde dich bei uns unter [email protected]. Denn deine Story ist uns wichtig!Mail an uns

Schon bald begannen die Leiden für Vitalii: "Ich arbeitete zwei Monate. Der erste Lohn kam verspätet und nur teilweise. Für den zweiten Monat – mit zahlreichen Überstunden – erhielt ich bis heute keinen Cent. Rund 3.000 Euro stehen aus."

Kein AMS-Geld, weil er zu früh Job verlor

Doch es kam noch schlimmer: Der Subunternehmer, bei dem der Ukrainer arbeitete, verlor den Auftrag des großen Paketdienstleisters, "für mich bedeutete das: keine Arbeit mehr. Kein Einkommen. Keine Rücklagen. Keine Absicherung." Vitalii hatte kürzer als ein Jahr den Job, was verheerende Folgen hatte. Er bekommt derzeit keine AMS-Leistungen und auch keine Unterstützung von anderen Stellen.

Er rechnet vor: "Meine Familie lebte zuletzt von 990 Euro im Monat. Für drei Personen. Unsere Miete beträgt 600 Euro. Es bleiben 390 Euro für Strom, Heizung, Internet, Mobiltelefonie, öffentliche Verkehrsmittel und Lebensmittel. Eine Rechnung, die nicht aufgeht."

Der Jobverlust in Graz war nicht seine Schuld, Vitalii ist weiterhin bereit, hart zu arbeiten. Sein Ziel ist die volle Integration – die Sprache hat er schon, jetzt braucht er den Job, um seine Familie zu ernähren. Doch trotz des viel besprochenen Arbeitermangels findet er derzeit keine Aussicht auf eine Arbeit.

"Was mich am meisten belastet, ist nicht nur der finanzielle Verlust, sondern das Gefühl, trotz Arbeit, Ausbildung und vollem Einsatz plötzlich in einer Situation zu stehen, in der man ohne Schutz dasteht. Ich möchte hier arbeiten, Steuern zahlen und Teil der Gesellschaft sein – nicht als Bittsteller, sondern als jemand, der Verantwortung übernimmt und langfristig seinen Platz in Österreich findet", sagt Vitalii.

{title && {title} } POM, {title && {title} } 25.02.2026, 05:15
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen