Yasemin Büyüktepe hat islamische Religionspädagogik studiert, ihren Abschluss bereits 2020 gemacht und ein klares berufliches Ziel. Trotzdem bleibt der 40-jährigen Tirolerin der gewünschte Weg in den islamischen Religionsunterricht bisher versperrt. Nach einer neuerlichen Absage der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) stellt sie sich nun die Frage, welche Rolle ihr fehlendes Kopftuch dabei spielte.
"Ich möchte Religionslehrerin werden", sagt Büyüktepe im Gespräch mit der "Kronen Zeitung". Dabei gehe es ihr um weit mehr als die Vermittlung religiöser Vorschriften. "Für mich bedeutet Religionsunterricht weit mehr, als Regeln und Texte auswendig lernen zu lassen. Religiöse Bildung sollte Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung stärken und ihnen helfen, Verantwortung zu übernehmen", erklärt sie in der Tageszeitung.
Auch eigene Erlebnisse hätten ihren Zugang geprägt: "Deshalb ist es mir umso wichtiger, ein reflektiertes Verständnis des Islam zu vermitteln."
Für den islamischen Religionsunterricht koordiniert die IGGÖ das Personal und entscheidet nach einem Hearing über die Aufnahme in den Personalpool.
Büyüktepe hatte bereits früher versucht, dort unterzukommen. Damals habe sie eine klare Antwort erhalten. "Damals bekam ich die Auskunft, dass ich ohne Kopftuch nicht beschäftigt werden könne, da ich kein geeignetes Vorbild für die Kinder sei", erzählt sie der "Krone".
Nur für ihren Beruf ein Kopftuch zu tragen, kam für sie nicht infrage. "Das ist für mich nicht authentisch", stellt sie unmissverständlich klar. Büyüktepe hatte ihr Kopftuch bereits Jahre zuvor abgelegt. Sie beschreibt dies als persönliche Entscheidung, die nichts an ihrer Religiosität und ihrer Verbundenheit mit Gott geändert habe.
Anfang 2026 schöpfte die Tirolerin wieder Hoffnung. "Anfang des Jahres habe ich vernommen, dass die IGGÖ erklärt hat, auch Lehrerinnen ohne Kopftuch zu beschäftigen. Daraufhin habe ich mich wieder beworben", erzählt sie der Tageszeitung.
Diesmal wurde sie tatsächlich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Dieses verlief aus ihrer Sicht allerdings anders als erwartet.
"Ich wurde überwiegend zum Kopftuch befragt und wie ich mein Auftreten ohne dieses den Kindern erklären möchte. Es folgten zahlreiche Detailfragen zur islamischen Theologie, die nach meiner Erfahrung nicht einmal jeder Imam beantworten kann", schildert Büyüktepe in der "Krone".
Auch ihre an der Universität erworbene pädagogische Ausbildung sei aus ihrer Sicht infrage gestellt worden. Nach der Absage fragt sie deshalb: "Wurde ich also doch abgelehnt, weil ich kein Kopftuch trage?"
Die IGGÖ weist diesen Verdacht zurück. Büyüktepes persönliche Lebensweise habe bei der Entscheidung keine Rolle gespielt. Ausschlaggebend sei ausschließlich der fachlich-theologische Bereich gewesen.
Die Bewerberin überzeugt das nicht. "Da stimmt etwas nicht", sagt sie zur "Krone". Unterstützung bekommt sie von Professor Ednan Aslan vom Institut für Islamisch-Theologische Studien der Universität Wien. Auch sein Urteil lautet: "Da stimmt etwas nicht".
Aslan berichtet in der Tageszeitung von Musliminnen, die sich zwar für ein Studium der islamischen Theologie interessieren würden, ohne Kopftuch aber geringe berufliche Chancen befürchteten. "Jene, die kein Kopftuch tragen, trauen sich aber nicht, weil sie kaum berufliche Chancen damit sehen."
Aslan kritisiert die Vorgehensweise der IGGÖ in der "Krone" deutlich: "Es wird zwar behauptet, das Kopftuch sei nicht entscheidend, aber die Praxis sagt etwas anderes. Das ist ein unwürdiger Umgang mit Bewerberinnen."
Auch aus theologischer Sicht sieht er keine Notwendigkeit für eine entsprechende Vorgabe. "Wir müssen nur auf andere Länder schauen: In der Türkei oder in Ägypten sind Religionslehrerinnen ohne Kopftuch kein Problem", stellt er in der Tageszeitung klar.
Zudem hinterfragt Aslan, dass die fachlichen Kenntnisse der Bewerber im Auswahlverfahren neuerlich geprüft werden: "Es ist nicht die Aufgabe der IGGÖ, die fachliche Kompetenz der Bewerberinnen zu beurteilen. Das wurde im Rahmen des Studiums gemacht. Auch die katholische Kirche darf das bei den Bewerbern nicht tun."
Die Glaubensgemeinschaft hält gegenüber der "Krone" hingegen fest: "Das Tragen eines Kopftuchs stellt kein Einstellungskriterium dar und ist auch in den Dienstverträgen der Lehrerinnen nicht als Verpflichtung festgehalten".
Laut IGGÖ unterrichten auch Frauen ohne Kopftuch islamische Religion. Wie viele es sind, könne nicht beziffert werden. "Wir führen dazu keine Statistik", heißt es in dem Bericht. Österreichweit gibt es rund 700 islamische Religionslehrer, mehr als die Hälfte davon seien Frauen.
"Eine abwertende Haltung gegenüber Frauen, die sich aus persönlicher Überzeugung gegen das Kopftuch entscheiden, lehnen wir entschieden ab", betont die IGGÖ in der "Krone". Büyüktepe hält trotz ihrer Erfahrungen an ihrer Haltung fest: "Wer Akzeptanz und Offenheit erwartet, muss das auch selbst leben."