Ein Kulturgut wird für viele Österreicher zu teuer. Die steigenden Preise machen vor unseren Wirtshäusern nicht halt. Karl Zuser jun. vom Biergasthof Riedberg im Innviertel muss penibel auf das Geld schauen.
Einmal jährlich, wenn die Brauereien ihre Bierpreise anheben, überprüft Zuser seine gesamte Speisekarte und kalkuliert neu.
Im April wurden zahlreiche Gerichte um ein bis zwei Euro teurer. Für ein großes Rindsgulasch müssen Gäste mittlerweile zwei Euro mehr bezahlen. "Sonst bleibt uns nichts übrig", sagt der Wirt.
Auffällig: Ein Klassiker fehlt auf seiner Speisekarte. "Ich führe bewusst keine Gerichte, die sich für unseren Betrieb nur schwer wirtschaftlich kalkulieren lassen. Also auch kein Schnitzel", erklärt Zuser.
Gerade das Schnitzel sei von den Kostensteigerungen besonders betroffen. Fleisch, Öl, Butter sowie Energie seien alle in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden.
Stattdessen setzt der Innviertler auf Speisen, die sich für seinen Betrieb besser kalkulieren lassen. Dazu zählen etwa Schweinsbraten, Bierfleisch oder geröstete Knödel.
Die Gäste reagieren auch schon längst auf die Teuerung. "Grundsätzlich hat sich das Konsumverhalten geändert", sagt der Gastronom im Gespräch mit "Heute". Viele Besucher bleiben heute deutlich kürzer. Während früher oft bis spät in die Nacht konsumiert wurde, sei mittlerweile meist bereits gegen 22 Uhr Schluss.
"Diesen Trend beobachten auch die meisten meiner Kollegen in der Gastronomie", so Zuser.
Besonders deutlich macht sich die Entwicklung nach dem Essen bemerkbar. "Wir sind zur Essenszeit gut gefüllt, aber die Gäste bestellen zum Essen deutlich weniger Getränke als früher", sagt Zuser. "Und dann gehen die Leute schon bald nach Hause."
Eine Konsequenz: Seit der Corona-Pandemie hat der Wirt sein Lokal an den Wochenenden geschlossen. Geöffnet ist nur noch von Montag bis Freitag. Angeboten werden klassische österreichische Gerichte sowie mehr als 500 Bierspezialitäten.
Die Ursachen sieht Zuser vor allem in den gestiegenen Lebenshaltungskosten. Energiepreise und die allgemeine Teuerung würden viele Haushalte belasten.
Für die Gastronomie habe das spürbare Folgen. "Wirtschaftlich ist die Entwicklung belastend", sagt Zuser. Die Zukunft der Branche sieht der Wirt kritisch. Die steigenden Kosten würden viele Betriebe unter Druck setzen, gleichzeitig hätten viele Gäste weniger Geld zur Verfügung.
"Ich rechne damit, dass sich die Zahl der Betriebe weiter verringern wird, wenn Kosten und Kaufkraft weiter auseinandergehen."