Die Teuerung nimmt extreme Formen an. Immer mehr Menschen müssen sich in Verzicht üben. Ein Wiener Ehepaar beschreibt gegenüber "Heute" den schweren Alltag. Obwohl den beiden rund 2.100 Euro monatlich zur Verfügung stehen, bleibt nach Abzug der laufenden Kosten kaum etwas zum Leben übrig. Rücklagen? Keine. Selbst kleine Geschenke für die Kinder und Enkelkinder sind nicht mehr drinnen.
Seit 1977 lebt der Stefan A. in Wien (Name der Redaktion bekannt), ursprünglich stammt er aus Niederösterreich. An seine Kindheit denkt er gerne zurück. Die Ferien verbrachte er oft mit seiner Mutter bei der Großmutter am Land. "Es war eine wunderschöne Zeit", erinnert er sich. Doch von der Lebensqualität, die er damals erlebt habe, sei nicht mehr viel übrig.
Schon die monatlichen Ausgaben setzen dem Haushaltsbudget von etwa 2.100 Euro schlimm zu. Davon werden 799 Euro für die Miete abgezogen. Die restlichen Fixkosten summieren sich auf monatlich 708 Euro.
Damit sind bereits 1.507 Euro weg. Übrig bleiben nicht einmal 600 Euro für Lebensmittel, Hygieneartikel und sämtliche andere Ausgaben.
"Was ist mit Nahrung, Hygieneprodukten oder Grundbedürfnissen, die man täglich braucht?", fragt der Wiener. Selbst Alltags-Anschaffungen wie Tabs für den Geschirrspüler werden zum Härtetest. Und wenn plötzlich ein Elektrogerät kaputtgeht, wird es erst recht eng.
Das Problem: Er und seine Frau haben keine Ersparnisse, auf die sie im Notfall zurückgreifen könnten. Dazu kommen Schulden und laufende Raten, die der Mann nach eigenen Angaben nicht mehr vollständig bezahlen kann.
Gerade jetzt, in der Zeit vor dem Advent, schmerzt ihn, dass selbst kleine Freuden für die Familie kaum noch möglich sind. "Wir können nicht einmal unseren Kindern und Enkelkindern Geschenke zu Weihnachten oder Geburtstagen machen", schildert er seine Situation.
Dabei gehe es längst nicht nur um ihn und seine Frau. Er sei überzeugt, dass viele Menschen in Österreich mit denselben finanziellen Problemen kämpfen.
Er fragt sich, ob die Politiker mit ihren deutlich höheren Einkommen überhaupt die Sorgen der Bevölkerung ausreichend spüren.
Stefan A. klagt auch über ungerechte Wohnkosten. So gebe es Wohnungen mit 80 Quadratmetern um 560 Euro Miete, während er nur 500 Meter entfernt für 76 Quadratmeter bereits 800 Euro zahlen muss in einem Haus ohne Lift.
Ein Wohnungswechsel kommt für das Ehepaar nicht mehr infrage. Die beiden könnten sich eine Übersiedlung finanziell nicht leisten.
Der Mann blickt mit Sorge auf die Entwicklung Österreichs. Früher haben sich die Bürger noch über Jahrzehnte einen gewissen Wohlstand erarbeiten können. Heute, so sein Gefühl, gehe das wieder verloren.