Heute geht's in Wien um die Wurst!
Am Samstag (7. November) findet erstmals der stadtweite "Tag der Wiener Würstelstände" statt. Im Mittelpunkt stehen jene kleinen Standln, die seit Generationen zum Wiener Stadtbild gehören.
Vor zwei Jahren wurde die Wiener Würstelstandkultur in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Österreichischen UNESCO-Kommission aufgenommen.
Dabei geht es nicht allein um Käsekrainer, Debreziner oder Bosna. Gewürdigt wird auch die besondere Atmosphäre: Am Würstelstand treffen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Altersgruppen und gesellschaftlicher Schichten aufeinander. Gegessen wird Seite an Seite, der Wiener Schmäh gehört zur Bestellung dazu.
Unter dem Motto "6 Würstelstände – 6 Stempel – 1 Medaille!" lädt der veranstaltende Verein heute zu einer Rallye durch die Stadt ein. Den offiziellen Sammelpass gibt es direkt bei den teilnehmenden Würstelständen.
Wer mitmachen möchte, muss im Laufe des heutigen Tages sechs verschiedene Standln besuchen. Ist der Pass vollständig, muss er gut lesbar fotografiert oder eingescannt werden. Das Bild wird anschließend per E-Mail an [email protected] geschickt.
Die ersten 100 vollständig und korrekt ausgefüllten Sammelpässe werden mit einer Medaille belohnt.
Trotz der begrenzten Zahl an Medaillen soll daraus kein hektisches Wettrennen werden. Der Verein der Wiener Würstelstände möchte die Gäste vielmehr dazu bringen, neue Standln kennenzulernen und deren unterschiedliche Angebote in Ruhe auszuprobieren.
"Wir wollen nicht nur über Würstelstandkultur reden. Die Menschen sollen sie an sechs unterschiedlichen Standln selbst erleben", sagt Vereinsobmann Rene Kachlir, der am Schwarzenbergplatz als "scharfer Rene" bekannt ist.
Insgesamt nehmen 22 Würstelstände an dem Aktionstag teil. Dazu gehören bekannte Namen wie LEO am Döblinger Gürtel, Mat’s beim Praterstern und Bitzinger beim Riesenrad sowie am Albertinaplatz.
Ebenfalls mit dabei sind unter anderem Alles Wurscht beim Börseplatz, die Bosnarei bei der Volksoper und Bewusst Wurst beim Technischen Museum. Die teilnehmenden Betriebe bilden damit unterschiedliche Seiten der Wiener Würstelstandkultur ab – vom klassischen Standl bis zu modernen Varianten mit ausgefallenerem Angebot.
Damit möglichst viele Menschen mitmachen können, öffnen die meisten Teilnehmer heute von 10 bis 22 Uhr. Manche Standln sperren für den Aktionstag eigens am Samstag auf oder halten länger offen als üblich.
Der Aktionstag hat auch einen ernsten Hintergrund. Bis 2010 gab es in Wien noch ungefähr 500 Würstelstände, heute sind es nur noch rund 120. Der Verein will deshalb zeigen, wie vielfältig und wichtig diese Form der Wiener Alltagskultur weiterhin ist.
Denn das Standl ist weit mehr als eine schnelle Essensausgabe. Es ist Treffpunkt, Nachtlokal, Pausenstation und manchmal auch ein Ort für lange Gespräche. Heute können sich die Gäste selbst davon überzeugen – und mit sechs unterschiedlichen Stempeln beweisen, dass ihnen die Wiener Würstelstandkultur nicht wurscht ist.