Seit einem Jahr setzt Oberösterreich auf verpflichtende Grundregelkurse für Asylwerber – jetzt zieht das Land Bilanz. Mehr als 1.000 Teilnehmer wurden bereits erreicht, die Inhalte wurden zuletzt erweitert. Neu dabei: die OÖ Hausordnung als fixes Modul.
Die Kurse starten direkt in den Quartieren – Teilnahme ist Pflicht. Vermittelt werden grundlegende Regeln des Zusammenlebens, von Verhalten im öffentlichen Raum bis zum Umgang mit Konflikten: "Wir erwarten von allen Zugewanderten, dass sie sich an die Mehrheitsgesellschaft anpassen", Integrations-Landesrat Christian Dörfel (ÖVP). Ziel sei es, von Beginn an zu vermitteln, "was bei uns geht und was nicht".
Die Zahlen zeigen laut Land Wirkung: Seit Einführung wurden bereits über 1.000 Asylwerber geschult. Besonders betont wird, dass das Angebot angenommen wird – und zwar nicht nur widerwillig.
"Wir bekommen durchwegs sehr positive Rückmeldungen", freut sich Volker Atteneder von der Volkshilfe OÖ. Die Kurse seien für die Teilnehmer "ganz offensichtlich keine lästige Pflicht". Neu sei für viele etwa das demokratische System in Österreich. Das habe dazu geführt, "dass sich das Interesse schnell verselbstständigt hat".
Seit 2026 ist auch die OÖ Hausordnung als Modul integriert. Wenn es nach Dörfel geht, soll das "kleine 1x1" auch rasch weiter ausgerollt werden: Er hofft, dass es schon im Herbst an den Schulen so weit sein könnte.
Parallel dazu sinkt übrigens die Zahl der Asylwerber und subsidiär Schutzberechtigten: Aktuell befinden sich 2.224 Personen in der Landesgrundversorgung – mehr als 1.000 weniger als im Vorjahr. Die meisten stammen aus Syrien (1.005), gefolgt von Afghanistan (220) und der Türkei (219). Für einen potenziellen Anstieg aufgrund der geopolitischen Situation sei das Land laut Dörfel jedenfalls gerüstet: "Wir können die Leute versorgen."
Kritik kommt unterdessen von den Grünen: Integrationssprecherin Ines Vukajlović wirft dem Land vor, mit den Kursen nur "die Lieblingsseite der Integrations-Medaille" zu betonen. "Integration gelingt nicht durch Hausordnungen und Belehrungen, sondern durch konkrete Maßnahmen", sagt sie – etwa Deutschkurse, Ausbildung und Jobs. Genau dort würden aber Mittel gekürzt.
Durch den Fokus auf die Hausordnung und Grundregelkurse entstehe der Eindruck, "als würde Integration nur über Regeln und Sanktionen funktionieren. Das greift zu kurz. Integration ist ein gegenseitiger Prozess, der Chancen braucht und nicht nur Vorschriften", betont Vukajlović. Statt symbolischer Maßnahmen brauche es vor allem Planungssicherheit und ausreichende Finanzierung für Integrationsangebote.