Frühjahrsoffensive geplant

Kenner sagt, wie lang Putin Krieg noch finanzieren kann

Für ein Ende der Kämpfe in der Ukraine sollte der Frontverlauf nach Ansicht von US-Präsident Donald Trump eingefroren werden – was das bedeutet.
20.10.2025, 22:27
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Ein Einfrieren der Frontlinie im Ukraine-Krieg inklusive einer daraus folgenden Teilung der östlichen Donbass-Region und ein darauf folgender Frieden – das schwebt offenbar US-Präsident Donald Trump vor und solle die ukrainische Seite ebenso zufriedenstellen wie die russischen Aggressoren. Russland und die Ukraine sollten jeweils dort bleiben, wo sich ihre Truppen aktuell befänden, alles Weitere sei "sehr schwer auszuhandeln", sagte Trump vor Journalisten auf einem Flug mit seiner Regierungsmaschine Air Force One.

Der Donbass solle entlang des Frontverlaufs aufgeteilt werden, argumentierte er. Russland kontrolliert aktuell den Großteil der ostukrainischen Region. Trump sagte, die Kriegsparteien könnten "später verhandeln". Das habe er auch dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei dessen Besuch am Freitag in Washington gesagt. Die Soldaten sollten kehrtmachen, das Blutvergießen müsse ein Ende haben. "Geht nach Hause, stellt die Kämpfe ein, stoppt das Töten", sagte Trump auf dem Rückflug nach Washington.

Trump dementiert Bericht über Gespräch mit Selenskyj

Vor 2014 hatte die Industrieregion Donbass etwa 6,5 Millionen Einwohner und war mit Kohle und Eisen das Kernstück der ukrainischen Schwerindustrie. Allerdings waren viele Bergwerke und Fabriken damals schon veraltet. Eine Preisgabe der Regionen Donezk und Luhansk würde bedeuten, dass Russland kampflos Territorien bekommt, die es militärisch nie erobern konnte. Zudem würde Kiew mit dem noch ukrainisch kontrollierten Teil des Donbass einen gut befestigten Verteidigungsgürtel verlieren.

Vor Trumps Äußerungen hatte die "Financial Times" berichtet, dass er Selenskyj bei dem Treffen am Freitag dazu gedrängt haben soll, für ein Ende des Kriegs den gesamten Donbass aufzugeben. Damit würde der russische Präsident Wladimir Putin eines seiner wichtigsten Ziele in dem seit 2022 andauernden Krieg erreichen. Ein Journalist fragte Trump während des Flugs, ob er Selenskyj tatsächlich am Freitag gesagt habe, dass die Ukraine den Donbass aufgeben müsse. Trump antwortete, dies sei bei dem Treffen nicht besprochen worden.

"Dass das zu einer Eskalation führt"

Russland-Experte Gerhard Mangott analysierte die Situation am späten Montagabend in der "ZIB2" bei ORF-Moderator Armin Wolf. "Es war sicher eine lautstarke und konfrontative Begegnung zwischen den beiden, und zum Teil auch bedrohlich", so der Experte. Bitter für Selenskyj sei, dass Trump ihm vorerst nicht den Wunsch nach Tomahawk-Marschflugkörpern erfülle, wenn er dies überhaupt jemals tun werde. Putin habe Trump wohl überzeugen können, "dass das zu einer Eskalation führt", schätzte Mangott ein.

"Da hat Putin das Treffen Trump-Selenskyj erfolgreich torpediert", aber Trump habe Selenskyj immerhin recht gegeben, dass es zuerst eine Waffenruhe brauche und dann verhandelt werden könne – zuvor hatte Trump den umgekehrten Ansatz verfolgt. Dass Trump einen konkreten Plan für den Ukraine-Krieg habe, erkenne Mangott hingegen nicht, "seine Positionen verändern sich fast im Wochenrhythmus". "Er will eine schnelle Waffenruhe, um als Friedensstifter wieder einmal dazustehen", aber für die großen Fragen scheine er "keinen Plan zu haben".

"Das wird er auch nicht"

Eine Waffenruhe, wäre die nicht ein Vorteil für die Ukraine, die sich eine Zeit lang erholen könnte? Und warum sollte Putin dem zustimmen? "Das wird er auch nicht", so Mangott, Russland habe das militärische Momentum auf seiner Seite und lehne solche Verhandlungen kategorisch ab. Was bringe dann das geplante Treffen zwischen Trump und Putin in Budapest? "Ich habe keine große Zuversicht, dass Budapest besser ablaufen wird als Alaska", so Mangott. Heißt: Er erwarte auch dieses Mal kein Ergebnis.

Haben die Sanktionen gegen Russland nichts gebracht? Die Lage der russischen Wirtschaft sei "im Augenblick etwas kritisch", sie stehe aber nicht vor dem Kollaps, so Mangott. Im Grunde "haben die Sanktionen nicht das bewirkt, was man erwartet oder erhofft hat". Also kein Ende des Krieges in absehbarer Zeit? "Die nächste Frühjahrsoffensive steht schon in den Plänen der russischen Armee", so Mangott, in der Schlammperiode zuvor würden die Kämpfe nur etwas abflauen. "Finanzieren kann Russland diesen Krieg sicherlich noch eineinhalb bis zwei Jahre."

{title && {title} } red,20 Minuten, {title && {title} } 20.10.2025, 22:27
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