Wenige Tage vor dem Muttertag am 10. Mai sind einige Frauen in Gallneukirchen (Bezirk Urfahr-Umgebung, Oberösterreich) stark verärgert. Grund ist der Kindergarten St. Josef.
"Auf das Einüben klassischer Gedichte oder Lieder speziell für Mutter- oder Vatertag verzichten wir bewusst", heißt es in einer Nachricht von den Betreibern an die Eltern. Der Muttertag wird heuer umgestaltet.
Die Erklärung aus dem katholischen Kindergarten: "Uns ist bewusst, dass Kinder heute in ganz unterschiedlichen Familienformen aufwachsen. Klassische Rollenbilder rund um Mutter- und Vatertag spiegeln diese Vielfalt nicht immer wider und sind daher aus unserer Sicht nicht mehr zeitgemäß für den Kindergartenalltag."
Minuten nach dem Lesen dieser Nachricht meldet sich eine wütende Frau: "Ich will als Mutter an diesem Tag geehrt werden, auch mit einem Gedicht", sagt sie zu "Heute". Und dann: "Wir haben hier in Gallneukirchen keine Familien, die in anderen Konstellationen leben."
Das Wichtigste für die Frau: "Die Diözese hat sonst andere Probleme, aber jetzt das? Die Kirche sollte zu einem klassischen Familienbild stehen."
Vom Betreiber des Kindergartens, erfährt "Heute": "In unseren Kindergärten orientieren wir uns an der Lebensrealität der Kinder – und die ist heute vielfältig", sagt Edith Bürgler-Scheubmayr, Vorständin der Caritas OÖ, "rund um Mutter- und Vatertag gestalten wir unsere Angebote so, dass sich alle Kinder wiederfinden und den für sie wichtigen Bezugspersonen die entsprechende Wertschätzung zeigen können. Gedichte oder Lieder haben weiterhin ihren Platz."
Auf die Kritik bezogen, heißt es: "Rückmeldungen von Eltern nehmen wir ernst. Gleichzeitig bleibt es selbstverständlich den Familien überlassen, solche Traditionen zu Hause nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben – auch das Einüben und Vortragen von Gedichten."