350.000 Euro Schaden

"Kommissar Baumgartner" brachte Opfer um Vermögen

Als falscher Polizist soll ein 18-Jähriger drei Opfern fast 350.000 Euro abgenommen haben. Eine Bande gab ihm von der Türkei aus Anweisungen.
Wien Heute
05.10.2026, 21:20
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Die Masche ist hinterhältig und die Verdächtigen werden immer jünger. Am Montag (5.10.) musste sich ein erst 18-Jähriger am Wiener Landesgericht verantworten. Im Alter von 17 Jahren soll er sich als Polizist ausgegeben, drei Opfern fast 350.000 Euro abgenommen haben.

Haftstrafe für Jugendlichen

Das Gericht verurteilte den bisher unbescholtenen Burschen zu 21 Monaten teilbedingter Haft. Sieben Monate davon muss er unbedingt absitzen, die restlichen 14 Monate wurden unter Setzung einer dreijährigen Probezeit bedingt nachgesehen. Der 18-Jährige nahm die Strafe an, der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig, die Unschuldsvermutung gilt weiterhin.

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Im Park davon erfahren

Der Jugendliche war laut seinen Angaben über Bekannte auf die Betrugsmasche aufmerksam geworden. Beim "Abhängen im Park" habe er erfahren, wie man "rasch" zu Geld kommen könne. So kam er in Kontakt mit einem Türken auf, der ursprünglich in Vorarlberg lebte und später nach Istanbul übersiedelte.

Boss in der Türkei

Dort soll der vermeintliche Boss eine hochprofessionelle kriminelle Organisation aufgebaut haben. Deren Anrufer bringen in Österreich vor allem Pensionisten dazu, Geld, Gold und andere Wertgegenstände falschen Polizisten zu übergeben. Den Opfern wird etwa eingeredet, dass ihr Vermögen vor Einbrechern oder kriminellen Bankangestellten geschützt werden müsse. Natürlich ist alles nur erfunden.

Deckname "Robert Baumgartner"

Der damals 17-Jährige wurde laut seiner Aussage persönlich ausgesucht. In einem Videotelefonat musste er dem mutmaßlichen Bandenboss Rede und Antwort stehen. Danach trat er unter dem Fake-Namen "Robert Baumgartner" als angeblicher "Kommissar" auf.

Gefälschter Polizeiausweis

"Ich wollte das auch einmal machen", meinte der 18-Jährige vor Gericht. Als Teilzeitkraft bei einem Catering-Unternehmen habe er zu wenig verdient. Er bekam einen gefälschten Polizeiausweis sowie ein Telefon, über das er dem Anführer kommunizierte.

Anfang 2026 soll der damals 17-Jährige eine betagte Frau dazu gebracht haben, mehrere Banken aufzusuchen und ihm insgesamt 14.000 Euro zu übergeben. Fünf Prozent davon durfte er behalten, der Rest ging an die Hintermänner.

Aufpasser für Bekannten

Wenig später nahm er einem weiteren Opfer angeblich Bargeld im Wert von mehreren 10.000 Euro sowie Gold ab, wieder durfte er fünf Prozent behalten. Am 1. April begleitete der Jugendliche schließlich einen Bekannten als Aufpasser. "Das war ein Kollege von mir. Der wollte das machen, weil er Geld gebraucht hat", so der Angeklagte vor Gericht. Die Tat brachte 118.000 Euro ein, der Großteil der Beute wurde erneut in die Türkei transferiert.

Mitangeklagter muss zwei Jahre in Haft

Neben dem 18-Jährigen stand auch der 47-jährige Stiefvater eines Bekannten vor Gericht. Wegen Schulden in Höhe von 180.000 Euro hatte auch er sich angeblich als falscher Polizist anwerben lassen. Fünf Opfer und ein Schaden von knapp 100.000 Euro wurden ihm vorgeworfen. Unter den Opfern war auch eine 91-jährige Frau. Der 47-Jährige wurde zu zwei Jahren unbedingter Haft verurteilt – nicht rechtskräftig. Nach dem mutmaßlichen Bandenboss wird mit Europäischem Haftbefehl gefahndet. Der türkische Staatsbürger soll sich weiterhin in der Türkei aufhalten.

red,05.10.2026, 21:20
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