Mit 17 schon "Kommissar"

Teenager gibt sich als Polizist aus: 350.000 Euro Beute

Als falscher "Kommissar" brachte ein Wiener drei Opfer um fast 350.000 Euro. Jetzt wurde der erst 18-Jährige zu 21 Monaten Haft verurteilt.
Österreich Heute
05.10.2026, 16:02
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Er war bei seinen Taten erst 17 Jahre alt. Drei Opfer brachte der mittlerweile 18-Jährige um insgesamt fast 350.000 Euro, indem er sich als Polizist ausgab. Am Montag musste sich der junge Mann dafür am Wiener Landesgericht verantworten.

Das Urteil: 21 Monate teilbedingte Haft. Sieben Monate davon muss der bisher unbescholtene Bursch unbedingt absitzen. Die restliche Strafe wurde ihm unter einer Probezeit von drei Jahren bedingt nachgesehen.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Der 18-Jährige nahm das Urteil an, der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab. Damit ist die Entscheidung noch nicht rechtskräftig.

Im Park von schnellem Geld erfahren

Wie der Jugendliche überhaupt in die Welt der falschen Polizisten geriet, schilderte er vor Gericht. Beim Abhängen im Park habe er über Bekannte erfahren, wie man "rasch" zu Geld kommen könne. So bekam er Kontakt zu Mehmet Kerim Y. Der ursprünglich in Vorarlberg lebende türkische Staatsbürger soll nach Istanbul übersiedelt sein und von dort eine kriminelle Organisation aufgebaut haben.

Der damals 17-Jährige musste sogar eine Art Bewerbung durchlaufen. In einem Videotelefonat habe er dem mutmaßlichen Bandenboss Rede und Antwort gestanden. Danach wurde er unter dem Namen "Robert Baumgartner" als vermeintlicher "Kommissar" eingesetzt.

"Ich wollte das auch einmal machen", sagte der 18-Jährige vor Gericht. Bei seiner Teilzeitstelle in einem Catering-Unternehmen habe er zu wenig verdient, um seine auf diverse Suchtmittel ausgerichteten Bedürfnisse zu befriedigen. Er bekam einen gefälschten Polizeiausweis und ein Telefon, über das er mit Mehmet Kerim Y. kommunizierte.

Nur fünf Prozent durfte er behalten

Anfang 2026 brachte der damals 17-Jährige eine betagte Frau angeblich dazu, mehrere Banken aufzusuchen und ihm insgesamt 14.000 Euro zu übergeben – es gilt die Unschuldsvermutung. Von der Beute durfte er fünf Prozent behalten, den Rest musste er an Mittäter weitergeben.

Erzähle uns deine Story!

Wurde dir eine Beihilfe gestrichen? Kannst du dir das Leben kaum mehr leisten? Ist dir gerade etwas besonders Trauriges, Witziges oder Erstaunliches geschehen? Bewegt dich ein anderes Thema? Bist du der Meinung, dass deine Geschichte erzählt werden sollte? Dann melde dich bei uns unter [email protected]. Denn deine Story ist uns wichtig!Mail an uns

Wenig später soll er erneut als vermeintlicher Kommissar aufgetreten sein. Ein eingeschüchtertes Opfer übergab ihm laut Schilderung mehrere 10.000 Euro Bargeld und Gold. Das Gold brachte der Jugendliche auf Anweisung zu einem Wiener Juwelier und erhielt dafür 135.000 Euro. Mehr als 200.000 Euro wurden laut den vorliegenden Informationen abzüglich seines Anteils in die Türkei gebracht.

Am 1. April soll der 18-Jährige einen Bekannten als Aufpasser begleitet haben. "Das war ein Kollege von mir. Der wollte das machen, weil er Geld gebraucht hat." Dabei wurden angeblich 118.000 Euro erbeutet. Der Großteil des Geldes wurde erneut in die Türkei transferiert.

Bande soll mindestens 25 Millionen erbeutet haben

Hinter den Fällen steht laut den Ermittlern ein wesentlich größeres System. Die Bande soll von der Türkei aus vor allem betagte Menschen in Österreich ins Visier nehmen. Anrufer bringen die Opfer demnach am Telefon dazu zu glauben, ihr Vermögen sei in Gefahr. Geld und Wertgegenstände müssten deshalb vermeintlichen Polizisten übergeben werden.

"Den Opfern wird auf niederträchtigste Weise Angst gemacht", erklärte der zuständige Vertreter der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft vor Gericht. Der Schaden soll gewaltig sein. Es gebe Hunderte Opfer und einen Gesamtschaden von mindestens 25 Millionen Euro.

"Die Dunkelziffer ist sehr hoch. Viele Opfer bringen das gar nicht zur Anzeige. Viele tun das aus Scham nicht. Es gibt aber auch Fälle, wo die Betroffenen schweigen, weil sie die Reaktion ihrer Angehörigen fürchten, wenn die erfahren, dass das Erbe weg ist."

91-Jährige verlor Bewusstsein

Neben dem 18-Jährigen stand auch der 47-jährige Stiefvater eines Bekannten vor Gericht. Er soll sich wegen Schulden in Höhe von 180.000 Euro ebenfalls als falscher Polizist anwerben haben lassen.

Fünf Opfer und ein Schaden von knapp 100.000 Euro wurden ihm zugeschrieben. In zwei Fällen war er geständig. Dafür wurde er bei einem Schaden von knapp 35.000 Euro zu zwei Jahren unbedingter Haft verurteilt. Auch dieses Urteil ist nicht rechtskräftig.

Unter seinen Opfern war eine 91-Jährige. Als der 47-Jährige ihr in der Wohnung eine Schatulle mit Schmuck abnahm, kam die Frau nach einem Schubs zu Sturz und verlor kurzzeitig das Bewusstsein. Abgesehen von einer Beule am Hinterkopf blieb sie unverletzt.

"Sie ist umgefallen", sagte der Angeklagte, "ich wollte das nicht. Ich bin nicht so erzogen worden." Trotz der bewusstlosen Frau verließ er die Wohnung mit der Beute. Als Begründung sagte er: "Ich war verkabelt und Y. hat mir gesagt, mein Kopf wird rollen, wenn ich das nicht mache."

Nach Mehmet Kerim Y. wird mit Europäischem Haftbefehl gefahndet.

red,05.10.2026, 16:02