IV-Präsident Knill im ORF

Kritik an EU-Plänen: "Gut gemeint, schlecht umgesetzt"

Österreich muss bis 7. Juni neue EU-Vorgaben zur Entgelttransparenz umsetzen. In der ZiB-2 übt IV-Präsident Georg Knill Kritik an der Richtlinie.
Newsdesk Heute
31.05.2026, 22:12
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Österreich muss bis 7. Juni eine EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz in nationales Recht umsetzen. Ziel der Vorgaben ist es, die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern weiter zu verringern. Künftig sollen Beschäftigte auf Wunsch erfahren können, wie hoch das durchschnittliche Gehalt von Kollegen in vergleichbaren Positionen ist – aufgeschlüsselt nach Geschlecht.

Zusätzlich sind verpflichtende Entgeltberichte geplant, die mögliche Gehaltsunterschiede in Unternehmen sichtbar machen und Handlungsbedarf aufzeigen sollen. Damit soll überprüfbar werden, ob Frauen und Männer für gleichwertige Arbeit tatsächlich gleich bezahlt werden. Verstreicht die Frist ohne Umsetzung, droht Österreich ein Vertragsverletzungsverfahren durch die EU-Kommission.

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"Jede Menge Probleme"

Heftige Kritik an der EU-Richtlinie hagelte es am Sonntagabend von Georg Knill in der ZiB-2 im ORF. "Offensichtlich gibt es dabei auf europäischer Ebene noch jede Menge Probleme", sagte der Industriellenvereinigungs-Präsident im Gespräch mit Margit Laufer. Als Beleg verwies er darauf, dass 25 der 27 EU-Mitgliedstaaten die Richtlinie nicht fristgerecht bis zum 7. Juni einführen würden.

Für die Wirtschaft bedeute die Umsetzung einen erheblichen Mehraufwand. Für "30 Millionen Unternehmer in Europa" bringe die Richtlinie "2 Kilogramm zusätzliche Bürokratie", so Knill. Zudem würden wesentliche Bestandteile, die in Österreich bereits gelten würden – etwa Kollektivverträge –, in der Regelung nicht ausreichend berücksichtigt.

Zugleich betonte Knill, dass beim Gender-Pay-Gap Fortschritte erzielt worden seien. "Wir haben uns in den letzten Jahren beim Gender-Pay-Gap sukzessive verbessert, aber sind noch nicht da, wo wir hinwollen", sagte er. Die eigentlichen Herausforderungen lägen aus seiner Sicht bei strukturellen Themen, an denen man arbeiten müsse.

"Starke Neidgesellschaft"

Skeptisch zeigte sich Knill auch bei der vorgesehenen Gehaltstransparenz. Österreich sei eine "starke Neidgesellschaft", meinte er. Gerade der ORF habe mit der Veröffentlichung seiner Gehaltslisten entsprechende Erfahrungen gemacht. "Man sollte stark darüber nachdenken, was sinnvoll ist, und was nicht", sagte Knill. Er selbst brauche eine solche Richtlinie nicht.

Der IV-Präsident kritisierte, man versuche "eine gut gemeinte Lösung, schlecht umzusetzen", und belaste Unternehmer damit zusätzlich. Es dürfe jedenfalls nicht zu einer "Bürokratie-Lawine" kommen. Eine konkrete Alternative zur Richtlinie präsentierte Knill im Interview jedoch nicht. Zugleich verwies er darauf, dass eine EU-Richtlinie noch kein nationales Recht sei.

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