Erst krachte sein Kreuzfahrtschiff gegen zwei Containerriesen, dann forderte er die Urlauber zum Einkuscheln auf. Die Lautsprecherdurchsage von Kapitän Jan S. nach dem Unfall der "Mein Schiff 3" in Bremerhaven sorgt nun für Gesprächsstoff. Gleichzeitig beschäftigen sich die Ermittler mit der Frage, warum das Schiff trotz des heftigen Sturms überhaupt abgelegt hatte.
Für die 2.428 Passagiere endete die geplante Reise auf die Kanarischen Inseln jedenfalls, bevor sie richtig begonnen hatte.
Nach dem Zusammenstoß am Sonntagabend meldete sich der Kapitän über die Lautsprecher bei den Gästen. Wie RTL berichtet, begann er seine Ansprache mit den Worten: "Guten Abend, liebe Gäste, hier spricht Ihr Kapitän von der Brücke".
Zunächst bedankte sich S. bei den Passagieren für ihre Geduld. Er erklärte, dass die "Mein Schiff 3" wieder sicher am Liegeplatz angekommen sei und nach den bisherigen Erkenntnissen niemand verletzt wurde.
Fachleute würden die Schäden am Schiff überprüfen. Die Sicherheit der Gäste und der Besatzung habe oberste Priorität. Für die Nacht sollten die Urlauber an Bord bleiben. Restaurants und Bars standen ihnen weiterhin zur Verfügung.
Zum Abschluss der Durchsage folgte dann eine ungewöhnliche Aufforderung: "Kuscheln Sie sich ein bisschen ein und geniessen Sie die Annehmlichkeiten hier an Bord, bis morgen", heißt es im Bericht von RTL.
Die Reederei TUI Cruises äußerte sich gegenüber dem deutschen TV-Sender zunächst nicht zu den Worten des Kapitäns.
Der folgenschwere Zwischenfall hatte sich am Sonntagabend beim Ablegen im Hafen von Bremerhaven ereignet. Eigentlich sollte die "Mein Schiff 3" gegen 17.30 Uhr ihre Reise in Richtung Kanaren antreten. Neben den 2.428 Gästen befanden sich 922 Besatzungsmitglieder an Bord.
Schlepper unterstützten das Kreuzfahrtschiff beim Verlassen des Hafens. Doch auf Höhe der Stromkaje erfasste eine heftige Windböe das Schiff. Die "Mein Schiff 3" wurde gegen zwei dort festgemachte Containerschiffe gedrückt. Die Kollision konnte nicht mehr verhindert werden.
Der Zusammenstoß richtete an den beteiligten Schiffen erhebliche Schäden an. Bei einem der Containerschiffe wurde die Bordwand auf mehreren Metern Länge aufgerissen.
Auch das Kreuzfahrtschiff blieb nicht unbeschädigt. Mehrere Rettungsboote sowie die dazugehörigen Kräne wurden in Mitleidenschaft gezogen. Zudem entstanden Schäden an der Außenhülle.
Trotz der heftigen Kollision gab es keine Verletzten. Bei keinem der drei Schiffe drang Wasser ein. Die Behörden untersagten allen beteiligten Schiffen vorerst das Auslaufen.
Für Kapitän Jan S. könnte der Vorfall nun auch rechtliche Konsequenzen haben. Die Wasserschutzpolizei hat Ermittlungen aufgenommen, die sich auch gegen ihn richten.
Dabei soll insbesondere geklärt werden, weshalb die "Mein Schiff 3" trotz der starken Sturmböen den Hafen verlassen wollte.
Wie es genau zu dem Zusammenstoß kam, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen. Für den Kapitän gilt die Unschuldsvermutung.
Am Montagmorgen erhielten die Urlauber schließlich die Nachricht, dass ihre geplante Reise nicht stattfinden wird. Die "Mein Schiff 3" konnte wegen der Schäden nicht wie vorgesehen zu den Kanarischen Inseln aufbrechen.
Damit wurde aus der erhofften Kreuzfahrt für Tausende Passagiere ein kurzer Aufenthalt im Hafen von Bremerhaven. Wann das beschädigte Schiff wieder auslaufen kann, geht aus den bisherigen Informationen nicht hervor.