Während Konsumenten über hohe Preise klagen, sorgt eine deutsche Landwirtschaftsministerin mit einer gegenteiligen Einschätzung für Aufsehen. Christine Schneider (CDU), Landwirtschaftsministerin in Rheinland-Pfalz, hält Lebensmittel in Deutschland im europäischen Vergleich für zu günstig und fordert mehr Wertschätzung für heimische Produkte.
Schneider beobachtet nach eigenen Angaben schon länger eine Diskrepanz zwischen dem, was Menschen über ihr Konsumverhalten sagen, und dem, was tatsächlich im Einkaufswagen landet. Sie nehme "leider schon seit Jahren wahr", dass die Angaben der Bevölkerung in Umfragen nicht mit dem tatsächlichen Einkaufsverhalten übereinstimmten, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.
Während der Corona-Pandemie habe sich das Verhalten der Konsumenten deutlich verändert. Ökologische und insbesondere regional produzierte Lebensmittel seien stärker gefragt gewesen.
Schneider führt das unter anderem auf eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten und die dadurch zusätzlich zu Hause verbrachte Zeit zurück. Dauerhaft war diese Entwicklung allerdings nicht. "Leider hat es sich nach Corona genau wieder zurückentwickelt."
Das Einkaufsverhalten habe direkte Auswirkungen auf die heimische Landwirtschaft und die Produktion in Rheinland-Pfalz. Vorschreiben, wie sich Menschen ernähren sollen, möchte die 54-Jährige nach eigenen Angaben nicht – "auch im Ministerium nicht". Stattdessen will sie das Bewusstsein für die Herstellung gesunder Lebensmittel stärken.
Schneider sieht dabei auch die Preise als entscheidenden Faktor. "Wenn Lebensmittel zu günstig sind, dann geht diese Wertschätzung auch verloren", sagte die Ministerin, deren Großvater Winzer und Fleischhauer war.
Deutschland habe ihrer Ansicht nach im europäischen Vergleich ein besonderes Problem: "Und wir haben in Deutschland das Problem, dass Lebensmittel im Vergleich zu anderen europäischen Mitgliedsstaaten, wenn ich es zum Durchschnittseinkommen im Vergleich gleichziehe, zu günstig sind."
Das könne laut Schneider dazu beitragen, dass Lebensmitteln weniger Wertschätzung entgegengebracht werde.
Als Gegenbeispiele nennt die CDU-Politikerin unter anderem Österreich und Frankreich. Dort würden die meisten Produkte in den Supermärkten aus der eigenen Region stammen. Eine stärkere Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln könne der Staat allerdings nicht einfach vorschreiben. "Das findet nur durch eine Bewusstseinsveränderung statt."
Beim Preisniveau gibt es allerdings einen deutlichen Unterschied zwischen Österreich und Deutschland. Lebensmittel und Markenprodukte kosten in Österreich im Schnitt rund 26 Prozent mehr als beim deutschen Nachbarn.
Bei identischen Produkten beträgt der Unterschied etwa ein Viertel. Selbst österreichische Exportprodukte wie Manner-Schnitten werden in Deutschland häufig günstiger angeboten.
Besonders groß fällt der Abstand bei einzelnen Waren aus: Chips, Kaffeepads oder Eis können in Österreich dem Vergleich zufolge zwischen 70 und 90 Prozent mehr kosten.
Auch die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze erklären die Differenz nicht vollständig. Ohne Steuern gerechnet liegen die Preise in Österreich demnach noch immer rund 22 Prozent über jenen in Deutschland.